Clubsanierung Borussia Dortmund vorläufig gerettet

Der sechsfache deutsche Fußballmeister Borussia Dortmund ist einer Insolvenz knapp entgangen. Die Anlegerversammlung des Stadionfonds Molsiris stimmte heute in Düsseldorf für das Sanierungskonzept des hoch verschuldeten Bundesligisten.


Westfalenstadion in Dortmund: Fondseigner entschieden über Zukunft des Bundesligisten
AP

Westfalenstadion in Dortmund: Fondseigner entschieden über Zukunft des Bundesligisten

Düsseldorf - Auf der Versammlung des Stadionfonds votierte eine deutliche Mehrheit des vertretenen Kapitals für den Antrag der Borussia-Clubführung. Nach Angaben von Molsiris stimmten die Anleger mit knapp 95 Prozent der Rettung zu.

Damit ist die Liquidität des Vereins vorerst gesichert und eine wichtige Grundlage zur Erteilung der Lizenz für die kommende Saison geschaffen. Borussia Dortmund muss die entsprechenden Unterlagen am Dienstag bis 14 Uhr bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) einreichen.

"Ich empfinde eine große Erleichterung. Die hohe Quote ist eine Verpflichtung, das Sanierungskonzept mit Leben zu füllen", sagte Borussen-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Aufatmen auch bei Vereinspräsident Reinhard Rauball: "Das war das schwerste Auswärtsspiel seit der Relegation 1986. Ich möchte so einen Tag nicht noch einmal erleben."

Rauball erwartet beim Lizenzierungsverfahren morgen keine Probleme. "Das heute war die größere Hürde. Ich erwarte, dass wir mit dem kompletten Konzept gute Aussichten im Lizenzierungsverfahren haben, weil die Liquidität für die kommende Saison gesichert ist", sagte der Rechtsanwalt.

Umfangreiches Sanierungskonzept abgesegnet

Zu Beginn des Treffens waren die zur Beschlussfähigkeit notwendigen 15 Prozent der Anteile im Event-Center des Düsseldorfer Flughafens vertreten. Davon mussten wiederum mindestens 75 Prozent den vorgeschlagenen Maßnahmen zustimmen.

Borussen-Präsident Rauball (l.), Geschäftsführer Watzke: "Wir haben keine verlässliche Wasserstandsmeldung"
REUTERS

Borussen-Präsident Rauball (l.), Geschäftsführer Watzke: "Wir haben keine verlässliche Wasserstandsmeldung"

Dazu gehört der angestrebte Teilrückkauf der WM-Arena durch die Borussia und eine Stundung der millionenschweren Mietzahlungen für die Jahre 2005 und 2006. Zudem sollten Anteilseigner der Freigabe eines 51,8 Millionen Euro schweren Bardepots zustimmen, mit dem 2017 der Stadionrückkauf durch den BVB finanziert werden sollte. Neun Millionen Euro aus diesem bislang gesperrten Depot sollen den laufenden Spielbetrieb sichern. Mit den restlichen 42,8 Millionen Euro will der Fußball-Bundesligist von den Eignern genau 42,8 Prozent der Stadionanteile zurückkaufen. Für die restlichen Anteile der Eigner soll der Vertrag planmäßig bis 2017 weiterlaufen.

Der Rückkauf gilt als eine der wichtigsten Komponenten des Sanierungsplans, mit dem der Club die Insolvenz abwenden will. Im vergangenen Monat hatte Borussia Dortmund in einer Ad-hoc-Mitteilung eine "existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation" eingeräumt und für die Spielzeit 2004/05 einen drohenden Gesamtverlust von 68,8 Millionen Euro prognostiziert. Die meisten Gläubiger konnten bereits zu einer Stundung der Kreditrückzahlungen überredet werden - und sicherten dem Verein sogar zusätzliche sechs Millionen Euro zu.

Die Schwarz-Gelben sind offenbar noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen, zudem deutet sich eine Konsolidierung im finanziellen Bereich an. Denn die beiden Großaktionäre Florian Homm (rund 25 Prozent Aktienanteil) und auch der türkische Unternehmer Sadettin Saran (fünf Prozent) haben eine Erhöhung ihrer Anteile in Aussicht gestellt. Für ein positives Zeichen sorgte auch das Engagement des Internet-Unternehmens GoYellow als neuer Sponsor für die nächsten zweieinhalb Jahre. Der Deal bringt dem Club zwei Millionen Euro. Im Gespräch ist angeblich auch, das Westfalenstadion mit dem Namen des Trikotwerbepartner E.ON Chart zeigen zu versehen.

Verhaltener Optimismus vor der Versammlung

Die Vertreter von Borussia Dortmund waren mit verhaltener Zuversicht in die Versammlung gegangen. "Wir haben keine verlässliche Wasserstandsmeldung", sagte Präsident Rauball, der zusammen mit Geschäftsführer Watzke gekommen war. Nicht erschienen war Manager Michael Meier, der zurzeit die Lizenzunterlagen für die Saison 2005/2006 vorbereiten soll.

Borussia-Fans: "Die kabbeln sich regelrecht"
DDP

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Die Zustimmung der Fondsanleger war tatsächlich bis zuletzt zweifelhaft. "Die kabbeln sich regelrecht", berichtete ein Anteilseigner aus der Gesellschafterversammlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Vor Beginn der Sitzung hatten zahlreiche Fondszeichner ihre Zustimmung bekundet, allerdings gab es auch kritische Stimmen. Einige Teilhaber sagten, sie ließen sich nur von Anleger-Maßstäben leiten, der Verein sei ihnen egal. Andere appellierten an die anderen Fondszeichner, Borussia Dortmund müsse erhalten werden.

Die zur Commerzbank-Gruppe gehörende Fondsgesellschaft Molsiris hat das Dortmunder Westfalenstadion vor zwei Jahren zu 94 Prozent übernommen und an Borussia Dortmund vermietet. Die restlichen sechs Prozent hält der BVB über seine Sportartikelfirma Goool. Die 5800 Anleger haben jeweils zwischen 5000 und 100.000 Euro investiert. Unter ihnen ist auch der Dortmunder Abwehrspieler Christoph Metzelder.



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