comdirect Ende der teuren Italien-Eskapade

Die Kundenzahlen waren lächerlich klein, die lange Suche nach einem Käufer erfolglos. Nun schließt die Direktbank comdirect ihre italienische Tochter und schreibt Millionen ab. Weitere Tiefschläge dürften folgen.


Quickborn - Die Hauptversammlung der Mailänder comdirect Bank, eine 100-prozentige Tochter der deutschen comdirect, hat am Montag die Auflösung des Unternehmens beschlossen. Mitten in der Börsenflaute war es für die Italien-Tocher fast unmöglich, aus der schon lange währenden Krise zu kommen. Dann entfachten Konkurrenten auch noch einen harten Preiskrieg. Er habe den letzten Ausschlag für den Entschluss gegeben, das Italien-Abenteuer zu beenden, hieß es von der Bank. Ein comdirect-Sprecher kündigte an, dass 60 Angestellte ihren Job verlieren werden.

Bereits im vergangenen Herbst hatte die deutsche Commerzbank-Tochter lanciert, die italienischen und französischen Tochterunternehmen verkaufen zu wollen. Die Suche nach einem Käufer in Italien verlief jedoch erfolglos. "Da andere Handlungsoptionen zu keinem hinreichenden Erfolg führten, gibt die comdirect Bank AG jetzt die Beteiligung auf", hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

Hohe Abschreibungen auch in Frankreich

Das operative Geschäft der Bank wird noch bis Ende März fortgeführt. Neben den Mitarbeitern sind nach Angaben des Sprechers etwa 600 Kunden betroffen. In der Bilanz 2001 der deutschen comdirect kommt es wegen der Schließung zu einer außerordentlichen Wertberichtigung von 51,7 Millionen Euro.

Auch bei der französischen Tochter wird der Online-Broker Kapital abschreiben müssen - egal, ob der französische Ableger verkauft oder geschlossen wird. Dies sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Quickborn. Die Höhe der mutmaßlichen Abschreibungen konnte er noch nicht beziffern.

Commerzbank schließt alle Bankshops

"Wir arbeiten an einer Lösung", sagte der Sprecher. Bis wann ein Verkauf abgewickelt sein könnte, konnte er nicht sagen. Weitere Informationen will der Onlinebroker im März auf der Bilanzpressekonferenz vorlegen. Dann werde auch der Buchwert der französischen Tochter bekannt gegeben, sagte der Sprecher. Die comdirect hat in Frankreich 15.000 Kunden.

Auch bei der comdirect-Mutter, der Commerzbank Chart zeigen, wird gespart: Bis Ende diesen Jahres will sie all ihre Bankshops in Supermärkten schließen. "Das Konzept hat unter Ertragsgesichtspunkten nicht so eingeschlagen, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagte ein Sprecher. Seit 1996 hat die Frankfurter Geschäftsbank 30 dieser Filialen in Einkaufszentren und Kaufhäusern eröffnet. Mit den betroffenen Beschäftigten führt das Institut Gespräche.

Großreinemachen im Asset Management?

Ein Teil des Personals solle an anderer Stelle eingesetzt werden, ein Teil werde "freigestellt", sagte der Sprecher. Über die genaue Zahl der Bankangestellten, die in den Bankshops arbeiten, konnte die Commerzbank zunächst keine Angaben machen. Das Kreditinstitut will sein Filialnetz aus Kostengründen ausdünnen.

Nach Informationen aus Bankenkreisen will die Commerzbank zudem ihre britische Fondsmanagementgesellschaft Jupiter International Group verkaufen. Die Bank habe Commerzbank Securities und Goldman Sachs mit dem Verkauf von Jupiter beauftragt, hieß es am Montag. Der Commerzbank seien 600 Millionen Pfund für Jupiter angeboten worden. Das Geschäftsjahr 2001 sei für Jupiter "nicht besonders gut" gewesen, hieß es weiter. Die Commerzbank hatte für den Fondsmanager insgesamt mehr als 670 Millionen Pfund bezahlt. Ein Sprecher der Bank wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

Der Unternehmensbereich zu dem außerdem die deutsche Fondsgesellschaft ADIG und das US-Unternehmen Montgomery gehören, hatte in den ersten neun Monaten des Jahres 2001 einen Verlust von 94 Millionen Euro erzielt. Die Commerzbank hat wiederholt dementiert, dass sie auch den Verkauf von Adig plane.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.