Comeback der Riesen-Burger Endlich wieder zuschlagen

Schluss mit der Salat-Heuchelei: Amerikas Fast-Food-Ketten wie Burger King haben die Lust am Fett wiederentdeckt. Die neuen Burger sind so mächtig und kalorienreich wie nie. Kommen nun auch die Kunden zurück?

Von , New York


New York - Gesund essen? Diät halten? Auf die Gesundheit achten? Schnee von gestern - tönt zumindest die allerneueste Werbekampagne des Fast-Food-Riesen Burger King in den USA.

"Verbeißen Sie sich in Schichten über Schichten aus Fleisch, Käse und Speck", lockt die Hamburger-Kette in TV-Spots für ihren jüngsten, schamlosesten Klops, den "Quad Stacker": vier Scheiben Hack, vier Scheiben Käse, acht Speckstreifen, "ertränkt" in dicker, cremiger "Stacker-Sauce". Der Fleischturm protzt auch anderweitig mit tollen Zahlen: 1000 Kalorien, 68 Gramm Fett, 30 Gramm gesättigtes Fett - mehr als drei Big Macs.

Werbung für den Stacker: Fetter essen - für die Bilanz

Werbung für den Stacker: Fetter essen - für die Bilanz

Die politisch-unkorrekte Arterienattacke ist Absicht: Die amerikanische Fast-Food-Branche gibt ihre halbherzigen Bemühungen, gesunde Kost anzubieten, hiermit als gescheitert auf - allen voran die Kette Burger King, die weltweit über 11.100 Restaurants betreibt.

Die Fettsucht siegt: "Wir wollen den Fleischfreund befriedigen, indem wir auf frische Erzeugnisse verzichten und es ihm überlassen, wie viel Fleisch er sich zumuten kann", sagt Burger-King-Vizepräsidentin Denny Marie Post ganz freimütig. Den Stacker gibt's ergo gleich in drei Größen - zweifach, dreifach und vierfach.

Für das Unternehmen, dessen Aktie nach dem enttäuschenden Börsengang im Mai gut ein Viertel eingebüßt hat und das am Dienstag seine erste Quartalsbilanz vorlegt, ist der Über-Whopper ein saftiger Versuch, sich den Konsumenten, Investoren und Analysten schmackhaft zu machen. Denn die wollen heute offenbar keine fade Schonkost mehr, sondern endlich wieder so richtig zuschlagen. In diesem Sinne landete jetzt auch das "Enormous Omelet Sandwich" auf dem Burger-King-Frühstücksbuffet: eine fette Bratwurst, zwei Eier, zwei Scheiben Käse, drei Streifen Bacon, 740 Kalorien, 46 Gramm Fett.

"Ich verdiene Bacon und Wurst"

War die Diät-Welle in den USA ein Flop? "Einige unserer erfolgreichsten Produkte der letzten Jahre waren Produkte, die mit nichts zurückhielten, etwa das Tendercrisp Chicken Sandwich und der Angus Steak Burger", berichtet Burger-King-Marketingchef Russ Klein. Der Markt hat gesprochen - Mahlzeit.

Das hört auch Denny's, die Frühstückskette mit Ambitionen auf das Buletten-Geschäft von Burger King und McDonald's Chart zeigen. Die hat neulich das populärste Angebot in ihren über 1600 Restaurants, das "Grand Slam Breakfast", zum "Extreme Grand Slam Breakfast" "supersized". Drei Bratwürstchen, drei Streifen Bacon, drei Pfannkuchen, zwei Eier und brutzelnde Bratrösti - 1270 Kalorien, 77 Gramm Fett.

"Ich esse zu viel", schmatzt ein Mann in der dazugehörigen TV-Werbung fröhlich, "aber ich zahle nie zu viel." (Die Kalorienbombe zum Wachwerden kostet 5,99 Dollar.) In einem anderen Spot freut sich ein Denny's-"Kunde": "Anders als meine Frau glaubt Denny's, dass ich Bacon und Wurst verdient habe."

"Eine Tagesration Kalorien verspeist"

Wie für Burger King folgt die neue, Anti-Diät-Kampagne auch bei Denny's auf ein trübes Bilanzquartal, in dem der Umsatz von 246,6 Millionen Dollar (2005) auf 243,5 Millionen Dollar sank. CEO Nelson Marchioli versprach daraufhin schnell "attraktive neue Menü-Angebote". Dazu ermittelten die Bulettenbräter per Verbraucherforschung, dass ihre Gäste "praktische, alltägliche Mahlzeiten" bevorzugten. Sprich: kein Diät-Firlefanz mehr. Heraus kamen das "Meat Lover Breakfast" (1250 Kalorien), die "Country Sausage Bowl" (1680 Kalorien) und die "Fabulous French Toast Platter" (1261 Kalorien).

Auch Denny's-Rivale International House of Pancakes (IHOP) wirbt mit dem nostalgischen Charme alter Dickmacher: "Erinnerst du dich, wie gut Spaß schmeckte?" Die Speisekarte wimmelt von Bacon, Rösti, Bratwürstchen, Buttermilch-Pfannkuchen und French Toast "in üppiger Zimtrollenfüllung, beträufelt mit Rahmkäseguss und gekrönt von cremiger Sahne". Das kommt gut an in einer Nation, in der 127 Millionen Erwachsene übergewichtig sind und gut die Hälfte davon fettleibig: "In Fokusgruppen ist es schwer, gesunde Produkte zu finden, nach denen die Leute wirklich lechzen", sagt IHOP-Sprecher Patrick Lenow.

Gesundheitsberater schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. "Die Leute wissen, dass ein Vierfach-Burger nicht die gesündeste Wahl ist", so Margo Wootan, Ernährungsdirektorin am Center for Science in the Public Interest, zur "New York Times". "Aber sie wissen sicher nicht, dass sie eine ganze Tagesration an Kalorien bei einer Sitzung verspeisen."

1420 Kalorien, 50 Prozent Kursanstieg

Andere sehen den jüngsten Trend als logische Entwicklung. "Die Natur bevorzugt Extreme", sagt Ernähungsexpertin Laura Ries. "Die Leute wollen sich entweder kalorienreiche Nahrung gönnen - oder sie beschränken sich auf diätbewusstes Essen. Das dazwischen ist das Problem. Man denke an die Fehlschläge von C2 und Pepsi Edge, den Drinks von Coke und Pepsi mit mittleren Kalorienwerten."

Pionier der neuen Völlerei war das Burger-Haus Hardee's. Das hatte schon Ende 2004, als andere noch der Atkins-Welle nachhechelten, seinen Monster Thickburger präsentiert: 700 Gramm Angus-Beef, drei Scheiben Käse, vier Bacon-Streifen auf einem gebutterten Brötchen (1420 Kalorien, 107 Gramm Fett).

Der Mega-Klops war prompt ein solcher Monster-Hit, dass er bald in immer neuen Mutationen daher kam, zuletzt als Philly Cheesesteak Thickburger - mit einem kompletten Cheesesteak garniert. Die Aktie des Hardee's-Mutterkonzerns CKE ist seither um fast 50 Prozent angestiegen.



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