Commerzbank 900 Investmentbanker müssen gehen

Die Commerzbank streicht im chronisch defizitären Bereich Investmentbanking zahlreiche Stellen. Betroffen ist vor allem die Londoner Dependance. Der Personalabbau hinterlässt deutliche Spuren in den Quartalszahlen.

Frankfurt am Main - Von dem Abbau entfallen 490 Stellen auf das operative Geschäft und 410 auf die Verwaltung, teilte die drittgrößte börsennotierte deutsche Bank am Dienstag in Frankfurt mit. Ein Vergleich zwischen den Standorten London und Frankfurt habe einen "Produktivitätsvorteil" zugunsten des deutschen Finanzzentrums ergeben. In der britischen Hauptstadt fällt der Stellenabbau daher besonders hoch aus. Ergebnis der Restrukturierung im Investmentbanking sei "ein insgesamt stark gestrafftes, mit deutlich niedrigeren Kosten arbeitendes Kapitalmarktgeschäft", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.

Der Umbau im Investmentbanking beschert dem Institut einen hohen Quartalsverlust. Das Minus nach Steuern betrage im Zeitraum Juli bis September 208 Millionen Euro, wozu neben den Restrukturierungskosten von 132 Millionen Euro auch der ungewöhnlich hohe Steueraufwand von 71 Millionen beigetragen habe, hieß es. Analysten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von 103 Millionen Euro gerechnet.

Einmal mehr hat der malade Investmentbereich rote Zahlen geschrieben. Als einziges Segment der Commerzbank   weist die Sparte erneut einen operativen Verlust im dritten Quartal aus. Dieser lag bei 171 Millionen Euro. Müller ließ keinen Zweifel daran, dass die Einschnitte auf die Erfolglosigkeit der Einheit zurückzuführen seien: "Für das operative Minus von 171 Millionen Euro gibt es trotz der angespannten Marktverhältnisse keine akzeptable Entschuldigung." Im Schlussquartal sei aber wieder mit schwarzen Zahlen in diesem Bereich zu rechnen.

Abschied von der anvisierten Rendite

Im dritten Quartal bekam die Commerzbank - wie ihre Konkurrenz - die Börsenflaute zu spüren. Das Handelsergebnis rutschte mit neun Millionen Euro ins Minus und lag damit klar unter den Erwartungen der Analysten von 116 Millionen Euro. Im zweiten Quartal 2004 hatte das Institut im Eigenhandel noch 131 Millionen Euro erzielt.

Die ursprünglich schon für 2004 anvisierten mindestens acht Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern - die etwa den Kapitalkosten der Bank entsprechen - sind nicht mehr zu schaffen und sollen nach den Worten Müllers nun 2005 erreicht werden. "Für 2006 lautet das Ziel: Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 10 Prozent, also mindestens auf Höhe der mittelfristigen Kapitalkosten", bekräftigte der Bankchef. Das würde einem Gewinn von einer Milliarde Euro entsprechen.

Der Vorstand wird neu geordnet

Außerdem baut die Commerzbank ihren Vorstand um: Achim Kassow, bislang Chef der Online-Tochter Comdirect  , soll nach Frankfurt wechseln und künftig das Filialgeschäft verantworten. Der bisherige Privatkundenvorstand Martin Blessing wird das neu geschaffene Ressort mittelständische und große Firmenkunden führen. Nicholas Teller steht künftig dem Bereich Corporates & Markets vor, das neben dem Geschäft mit multinationalen Unternehmen auch die Kapitalmarktsparte umfasst.