Commerzbank-Chef Keine "Fusionitis"

Die Commerzbank will selbständig bleiben. Der Vorstandsvorsitzende Martin Kohlhaussen erteilte sämtlichen Gerüchten, denen zufolge das Kreditinstitut "Übernahmekandidat Nummer eins in Europa" sei, eine klare Absage. Die Geschäftszahlen bildeten ein solides Fundament für die Selbständigkeit.


Setzt auf Kooperationen statt Fusion: Martin Kohlhaussen
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Setzt auf Kooperationen statt Fusion: Martin Kohlhaussen

Frankfurt am Main - "Ich denke nicht an eine neue Runde der Fusionitis", sagte Kohlhaussen. Auch nach dem Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank sieht er gute Chancen für die Commerzbank, selbstständig zu bleiben. Bei sämtlichen Gerüchten handle "es sich um pauschale Unterstellungen; gute Argumente oder brauchbare Anregungen haben wir hierzu nicht gehört."

Wie Sparkassen und genossenschaftliche Kreditinstitute sieht der Commerzbank-Chef die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank eher als gute Gelegenheit, um in den Kundenbeständen des entstehenden Geldriesen kräftig zu wildern. Das Geldinstitut setze im Inlandsgeschäft weiter auf ein dichtes Netz eigener Filialen, um "für Deutschlands Mittelstand die führende Bankadresse" zu werden. Das schon länger bestehende Konzept einer Zusammenarbeit mit europäischen Partnern werde "nochmals mit Nachdruck aufgegriffen", sagte Kohlhaussen.

Der Börsengang der Internet-Tochter Comdirect will nach seiner Schätzung "deutlich eine Milliarde Euro" einbringen. Mit dem Geld soll die Expansion des Mutterhauses vorangetrieben werden.

Die Commerzbank ist nach dem Rekordjahr 1999 mit einem erneuten Ertragssprung in das Jahr 2000 gestartet. Entscheidender Faktor war der Aktienboom, der sowohl im Kundengeschäft als auch im Eigenhandel große Zuwächse brachte. Unter dem Strich verblieb in den ersten beiden Monaten ein Vorsteuergewinn von 327 Millionen Euro. "Gegenüber einem Sechstel des Vorjahres war das Vorsteuerergebnis um mehr als 40 Prozent höher", berichtete der Commerzbank-Chef. Das Handelsergebnis des Konzerns übertraf mit 222 Millionen Euro das Vorjahresniveau sogar um 90 Prozent.



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