Commerzbank Mindestens 900 Stellen fallen weg

Die Mitarbeiter sind empört: Die Commerzbank verzeichnet Rekordgewinne und will trotzdem den jahrelangen Jobabbau fortführen. In nächster Zeit würden 900 weitere Stellen gestrichen, hieß es heute. Eine Zeitung berichtet sogar von 3000 gefährdeten Jobs - das allerdings dementiert die Bank strikt.


Frankfurt am Main – Die Details erfuhren die Mitarbeiter aus einem Schreiben der Geschäftsführung: Im Bereich Informationstechnologie und Transaktionen fallen 450 Stellen weg, im Kreditgeschäft sind es noch einmal so viele, erklärte die Führung von Deutschlands zweitgrößter Privatbank darin.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Kunden nicht für "umständliche Prozesse" zahlen lassen
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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Kunden nicht für "umständliche Prozesse" zahlen lassen

Bei der Depot-Erfassung sollen etwa Personalkosten durch die Auslagerung von Aufgaben an bankeigene Service-Gesellschaften und ins Ausland eingespart werden. Um rund ein Fünftel sollen so innerhalb der nächsten zwei Jahre die Aufwendungen im Bereich IT und Transaktionen sinken, wie die Konzernführung erklärte.  Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen laufen bereits. In den vergangenen vier Jahren hat die Bank bereits über 6500 Jobs gestrichen. Zuletzt beschäftigte die Commerzbank so gut 35.500 Mitarbeiter, davon mehr als 27.000 im Inland.

Commerzbank-Vorstand Achim Kassow verteidigte die Ankündigung mit Hinweis auf den harten Wettbewerb im Finanzwesen. Die Kunden seien nicht bereit, für "umständliche und langwierige bürokratische Prozesse" zu bezahlen, erklärte er in dem Schreiben an die Mitarbeiter. So dauere bei der Commerzbank im Privatkundengeschäft die Bearbeitung eines Kredits bis zu 30 Stunden, bei Konkurrenten aber nur zehn Stunden.

"Welt" berichtet von 3000 gefährdeten Jobs

Insgesamt seien durch die Sparpläne des Commerzbank-Managements sogar rund 3000 Vollzeitarbeitsplätze in Deutschland gefährdet, berichtet die "Welt" unter Berufung auf Finanzkreise. Demnach wolle das Unternehmen die Arbeitsplätze von 1700 Mitarbeitern an andere heimische Standorte verlagern. Gleichzeitig würden in Singapur, Prag und bei der polnischen Bre Bank 480 Stellen aufgebaut, die in Deutschland wegfielen.

Im Zuge ihres Sparpakets plane die Commerzbank außerdem auch die Schließung von Standorten, in denen das Geschäft verwaltet und abgewickelt wird. Derzeit seien Stuttgart, Berlin, Dortmund und Düsseldorf bedroht. Im Gegenzug sollten in Hamm, Erfurt und Magdeburg nicht an den Tarifvertrag gebundene Servicegesellschaften eröffnet werden. Die Mitarbeiter dort würden künftig einfache Tätigkeiten abwickeln. Die Arbeitnehmervertreter würden sich daher weigern, den Plänen zuzustimmen. Ein Sprecher der Commerzbank wies den "Welt"-Bericht gegenüber SPIEGEL ONLINE zurück. "Das entbehrt wirklich jeder Grundlage. Es geht definitiv um 900 Arbeitsplätze", sagte er.

Mitarbeiter kündigen Widerstand an

Doch auch diesen Stellenabbau wollen die Mitarbeiter nicht akzeptieren. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Mitarbeiter in ihrer Verärgerung und Enttäuschung einen Streik in Betracht ziehen", sagte Daniel Hampel, Mitglied im Betriebsrat sowie im Aufsichtsrat der Bank. Ein sinnvoller Grund für den Stellenabbau sei nicht zu erkennen. Das Management habe den Arbeitnehmern erklärt, sie sollten auf Gehalt verzichten und so ihre Arbeitsplätze sichern, sagte Hampel. "Die Bank hat ihre Versprechen nicht gehalten."

Darüber hinaus geht es der Bank alles andere als schlecht. Im ersten Quartal dieses Jahres hat das Kreditinstitut von der guten Stimmung an der Börse und dem Konjunkturaufschwung ordentlich profitiert: Der Konzernüberschuss stieg um 87,3 Prozent auf 740 Millionen Euro und erreichte damit fast zwei Drittel des Überschusses des Gesamtjahrs 2005. Das operative Ergebnis erreichte mit einem Plus um 77,3 Prozent auf 959 Millionen Euro einen Rekordwert. Erst im vergangenen November hatte die Bank für 4,56 Milliarden Euro den Immobilienfinanzierer Eurohypo gekauft, der 2002 aus dem Zusammenschluss der Hypothekenbankentöchter von Commerzbank, Dresdner Bank und Deutsche Bank entstanden war.

ase/AP/Reuters



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