Commerzbank-Zahlen Immobilienkrise schlägt massiv durch

Die Personalie Martin Blessing war das angenehmere Thema, mit dem sich der Aufsichtsrat der Commerzbank heute zu beschäftigen hatte. Die Quartalszahlen gaben weit weniger Anlass zur Freude: Die US-Immobilienkrise belastet das Ergebnis weit stärker als befürchtet.


Frankfurt am Main - Insgesamt musste die Bank nach eigenen Angaben im von der Finanzmarktkrise geprägten Quartal 291 Millionen Euro auf das amerikanische Subprime-Wertpapierportfolio abschreiben. Ursprünglich hatte das Institut Belastungen auf gleichem Niveau wie im zweiten Quartal - also etwa 46 Millionen Euro - prognostiziert. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte aber bereits angedeutet, dass sie höher ausfallen könnten.

Unter dem Strich verdiente die Bank dank steuerlicher Verlustvorträge mit 339 Millionen Euro rund 56 Prozent mehr als im durch eine hohe Risikovorsorge belasteten Vorjahresquartal. Analysten hatten allerdings im Schnitt mit 476 Millionen Euro gerechnet. Die Ziele für das laufende Jahr bekräftigte die Commerzbank. Demnach soll die bereinigte Eigenkapitalrendite nach Steuern auf mehr als zwölf Prozent wachsen.

Der Vorstand wolle auch im kommenden Jahr den Kurs der Konzentration auf kundennahes Geschäft und kontrolliertes Wachstum fortsetzen, hieß es. "Falls die Märkte sich nicht weiter verschlechtern, sind wir zuversichtlich, die Eigenkapitalrendite auch im kommenden Jahr weiter steigern zu können", sagte Müller. Die Höhe der Abschreibungen sei das Ergebnis einer intensiven Kreditanalyse und einer konservativen Neubewertung des US-Wertpapierportfolios. Die Bank trage damit der Marktentwicklung "vollumfänglich" Rechnung.

Am Markt hatte im Vorfeld der Zahlen Unsicherheit über die Höhe der Belastung geherrscht - einige Analysten hatten mit deutlich geringeren Abschreibungen, andere aber auch mit höheren Belastungen gerechnet. Insgesamt ist die Commerzbank mit 1,2 Milliarden Euro in dem US-Markt für schlecht besicherte Hypothekendarlehen (Subprime) engagiert.

Vor Steuern verbuchte die Commerzbank zwischen Juli und September einen Gewinn von 361 Millionen Euro nach 337 Millionen Euro im Vorjahr. Die Prognosen lagen hier bei deutlich höheren 607 Millionen Euro.

Bei den Erträgen spiegelten sich die Verwerfungen an den Märkten in einem überraschend rückläufigen Handelsergebnis wider. Es lag mit 124 Millionen Euro (Vorjahr: 168 Millionen) unter den Analystenerwartungen, die mit einem Anstieg gerechnet hatten. Das Ergebnis aus dem Beteiligungs- und Wertpapierbestand war geprägt von den Abschreibungen. Unter dem Strich stand in diesem Bereich ein Minus von 238 Millionen Euro.

Besser als erwartet präsentierte sich dank des lebhaften Wertpapiergeschäfts mit privaten Kunden dagegen der Provisionsüberschuss: Er legte auf 810 (718) Millionen Euro zu. Der Zinsüberschuss blieb mit 999 Millionen Euro nur knapp unter der Milliardengrenze und den Schätzungen. Die Risikovorsorge sank auf 107 (415) Millionen Euro - für das Gesamtjahr geht die Bank nun von nur noch 525 Millionen Euro aus.

mik/dpa-AFX



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