Computerchips Intel bläst zum Preiskrieg

Intel plant offenbar drastische Preissenkungen bei den schnellsten Prozessoren. Der Chipriese könnte sich damit allerdings selbst die Luft abschnüren.


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Santa Clara - Im Kampf mit dem größten Konkurrenten AMD geht Intel in die Offensive. Branchenkreisen zufolge wird das Unternehmen die Preise für die neuesten Pentium-Chips um 50 bis 60 Prozent kürzen. Die schärfste Korrektur wird bei der neuesten Version des Pentium 4 erwartet, der mit 1,7 Gigahertz läuft. Nach seiner Einführung am 23. April soll der Preis am 29. April von rund 700 Dollar auf rund 350 Dollar gesenkt werden, so Lehman-Brothers-Analyst Dan Niles.

Ziel dieser Preisoffensive ist es, die Konsumenten wieder in die Läden zu bewegen. Attraktive Preise sollen dafür sorgen, dass bis Ende des Jahres Pentium-4-Prozessoren die Vorgängermodelle ersetzt haben, so das erklärte Ziel von Intel-Chef Craig Barrett. Computer mit dem neuen Hochleistungschip sollen schon für rund 2000 Dollar zu haben sein.

Niles und seine Kollegen befürchten jedoch, dass diese Rechnung nicht aufgeht. "Dies wir ein Jahr der Preiskriege, weil es sehr viel mehr Produktionskapazität als Nachfrage gibt", sagte Rob Enderle, Analyst bei Giga Information, dem "Wall Street Journal". Der brutale Preiskampf werde den Chipfabrikanten mehr schaden als nutzen, so die einhellige Meinung der Experten. "Das wird nur eine katastrophale Wirkung auf die Gewinnmargen haben", sagt Ashok Kumar von Bancorp Piper Jaffray, "es wird aber keinen Anstieg der Nachfrage geben".

Seine Einschätzung wird von der derzeitigen Marktsituation gestützt. Die meisten Computerhersteller und Chiphändler sitzen auf großen Lagerbeständen. Das Überangebot sorgt Branchenkennern zufolge für einen schwunghaften Handel am so genannten grauen Markt: Das, was die Hersteller nicht verkaufen können, übernehmen Zwischenhändler zu Tiefstpreisen, um damit wiederum die Herstellerpreise zu unterlaufen.

Der Effekt dieser Entwicklung ist bereits an den Intel-Zahlen ablesbar. Im März warnte Intel seine Aktionäre, dass die Gewinnmargen in einem Quartal von durchschnittlich 63 Prozent auf 51 Prozent fallen werden. Am heutigen Dienstag nach Börsenschluss in New York wird der Chipriese seine Zahlen vorlegen.



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