Strauchelnde Airline Condor-Flugbegleitern droht der Jobverlust

Condor steckt im Strudel der Thomas-Cook-Pleite und sucht nach einem Investor. Dafür sollen Millionen gespart werden. Die Gewerkschaft Ver.di macht weitreichende Zugeständnisse.
Foto: Ina Fassbender/ AFP

Beim Ferienflieger Condor wird mit weiteren Jobverlusten geplant. Bei den rund 2500 Kabinenmitarbeitern sollen rund 150 Vollzeitstellen abgebaut werden, aus Sicht der Geschäftsführung ein "bestehender Personalüberhang".

Laut Ver.di hat man sich darauf geeinigt, diesen Abbau sozialverträglich durchzuführen. Das heißt: Kündigungen sollen zunächst vermieden werden. Bis Ende Januar 2020 soll es ein Freiwilligenprogramm geben und eventuell auch eine Transfergesellschaft.

Finden sich nicht genügend Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, könnte es dramatisch werden: Condor-Geschäftsführer Ralf Teckentrup betonte in der Vergangenheit in Gesprächen mit Gewerkschaftern stets, dass die Mitarbeiter mehr Zugeständnisse bringen müssten, wenn ein Investor gefunden werden solle. Er verlangte Einbußen beim Gehalt und eine Erhöhung der Mehrflugstundengrenze. Dem Vernehmen nach geht es um Zugeständnisse im Wert einer höheren zweistelligen Millionensumme.

Bei den Überstundenregelungen bewegte sich Ver.di ebenfalls auf Condor zu. Flugbegleiter dürfen nun länger im Einsatz sein, als es der Tarifvertrag bisher vorsah. In bestimmten Fällen entfällt dabei sogar noch die Auszahlung einer "Flugzulage".

Abstriche beim Urlaubsgeld

Auch beim Urlaubsgeld sollen die Beschäftigten Abstriche machen. Zuletzt gab es 1075 Euro pauschal, nun wird es abhängig vom Ergebnis der Condor gemacht. Ab einem Vorsteuergewinn von 90 Millionen Euro werden gerade einmal 150 Euro gezahlt. Um auch nur in die Nähe der derzeitigen Zahlungen zu kommen, müsste der Gewinn bei mindestens 130 Millionen Euro liegen.

Purser, so nennt man Kabinenchefs, können künftig laut dem Papier auch "grundsätzlich als Flugbegleiter" eingesetzt werden. Immerhin, schreibt die Gewerkschaft, habe man die Zusicherung bekommen, dass Condor "als Ganzes erhalten werden" solle. Auch sei man sich darüber einig, dass Condor-Strecken mit Condor-Flugnummer nur mit Flugzeugen der Gesellschaft und mit eigenem Kabinenpersonal bedient werden sollen - eine sogenannte Fremdbereederung wäre nur im Rahmen der Erprobung neuer Strecken möglich. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis Ende 2023 "weitestgehend ausgeschlossen".

Anders als Ver.di befindet sich die Kabinengewerkschaft UFO noch in Verhandlungen - und die gestalten sich zäh. Würden die Ergebnisse massiv von der Ver.di-Vereinbarung abweichen, könnte es ungemütlich werden. Nach dem Tarifeinheitsgesetz setzt sich in so einem Fall die Gewerkschaft durch, die die meisten Mitarbeiter vertritt. Welche das ist, ist keinesfalls ausgemacht und müsste zunächst festgestellt werden.

Finanzinvestor als Interessent

Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass Condor großes Entgegenkommen gegenüber der UFO zeigt. Der Druck ist groß, Ende März soll der Verkauf besiegelt sein.

Als Interessent mit guten Chancen für die Übernahme der deutschen Fluglinie gilt der US-Finanzinvestor Apollo. Der milliardenschwere Private-Equity-Fonds ist bereits im Fluggeschäft aktiv und etwa an der spanischen Billigfluglinie Volotea sowie einer Leasinggesellschaft für Flugzeuge beteiligt. Bei Condor steht eine Flottenerneuerung an, Apollo könnte bequem Flugzeuge seines Leasinggebers umschichten. Insider halten es für denkbar, dass sich Apollo mit Reiseveranstaltern zusammentun könnte, um den Zuschlag für Condor zu erhalten.

Allerdings müsste gesichert werden, dass Condor zu mindestens 51 Prozent in deutschem Besitz bleibt. Das gilt juristisch als Voraussetzung, um die Lizenz für den Betrieb der Fluglinie zu erhalten. Hier könnte eine Stiftungskonstruktion für Sicherheit sorgen, wie sie die Lufthansa schon häufiger eingesetzt hat.

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