Ärger über Fluglinie Condor lockt nach Staatshilfe mit Billigangeboten

Die strauchelnde Fluglinie Condor hat gerade erst einen Staatskredit über 380 Millionen Euro erhalten - und startet nach SPIEGEL-Informationen nun eine Schnäppchenoffensive. Die Konkurrenz ist erbost.
Eine Condor-Maschine beim Start vom Flughafen Heraklion auf Kreta

Eine Condor-Maschine beim Start vom Flughafen Heraklion auf Kreta

Foto: Stefanos Rapanis/ REUTERS

Die Fluggesellschaft Condor macht sich gerade wenig Freunde in der Branche. Konkurrenten wie TUIfly, Eurowings oder die Lufthansa sind schwer verstimmt über die Preispolitik der Ferienfluglinie, die nur dank einer Überbrückungshilfe durch die Bundesregierung vor der Pleite gerettet worden ist.

Kurz nachdem die Tochter des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook am 24. September von der Bundesregierung einen 380-Millionen-Euro-Kredit erhalten hatte, begannen die Ticketpreise laut Darstellung der Mitbewerber zu purzeln. Das zeigt auch eine Auswertung von Daten mittels eines speziellen Tarifanalysesystems der Branche. So kostete etwa ein Flug von Lanzarote nach Düsseldorf bis zum Tag der Cook-Pleite am 23. September im Schnitt noch rund 365 Euro. Ende der Woche war das One-Way-Ticket plötzlich für 143 Euro zu haben.

Wer im Oktober von Hamburg nach Gran Canaria will, musste dafür vor der Kreditvergabe noch durchschnittlich gut 380 Euro zahlen. Rund 48 Stunden später gab's die Strecke für knapp 150 Euro.

Auf der Internetseite lockt Condor mit jeder Menge "Schnell mal in die Sonne"-Angeboten: Hamburg-Mallorca für 30 Euro, Frankfurt-Kuba für 160 Euro. Derartige Billigofferten will man in Berlin mit dem kürzlich beschlossenen Klimapaket künftig nach Möglichkeit verhindern.

Ein Condor-Sprecher weist den Verdacht zurück, sein Unternehmen könnte das Darlehen zu Dumpingangeboten nutzen. Man sei gut ausgelastet, versichert er. Die Schnäppchenaktion sei schon länger geplant gewesen, sie habe kurzfristig nicht mehr gestoppt werden können. Die Lufthansa schlägt nun zurück - mit Trips nach Nordamerika ab 449 Euro und ins ferne Asien für 499 Euro.