Conti-Chef Wennemer im Porträt Der Kostenmanager dankt ab

Er gilt als knallharter Kostenmanager, hat Continental zum Weltkonzern aufgebaut - jetzt muss Manfred Wennemer gehen. Der Continental-Chef hat sich mit seiner harschen Kritik an Schaefflers Übernahmemanöver selbst ins Abseits befördert.


Hannover - Manfred Wennemer ist Mathematiker - die Beschäftigten des Autozulieferers Continental haben das häufig zu spüren bekommen. Denn der 60 Jahre alte Vorstandschef von Conti gilt als ein knallharter Kostenmanager. Nach seiner größten Herausforderung, den Verhandlungen mit der Schaeffler-Gruppe über eine Übernahme von Conti, tritt Wennemer nach der erzielten Einigung nun zurück.

Conti-Chef Wennemer: Knallharter Kostenmanager
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Conti-Chef Wennemer: Knallharter Kostenmanager

Wennemer habe bei den Verhandlungen so viel wie möglich für die Conti herausholen wollen, hieß es in Hannover in den vergangenen Tagen. In dem neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte aber sah er für sich selbst offensichtlich keinen Platz mehr und bat den Aufsichtsrat, ihn zum 31. August von seinem Amt zu entbinden. Wennemer hatte zu Beginn der Übernahmeschlacht harsche Kritik an Schaeffler geäußert. Das Vorgehen der Franken sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos".

Damit hatte er sich nicht gerade viele Freunde gemacht. Analysten sagten bereits im Vorfeld der Einigung, dass seine Karriere wahrscheinlich nicht zu retten sei. "Wennemer hat sich mit seiner Verweigerungshaltung weit aus dem Fenster gelehnt", sagte ein Analyst SPIEGEL ONLINE. "Jetzt droht er rauszufallen."

Chefaufseher Hubertus von Grünberg beteuerte bereits Mitte Juli im "manager magazin", Wennemer zwar grundsätzlich zu unterstützen, warnte aber davor, bei Schaeffler allzu viel "verbrannte Erde" zu hinterlassen.

Kurz vor Ende der Übernahmeschlacht geriet der Dax-Chef auch in den eigenen Reihen zusehends unter Druck: Mehrere Conti-Aufsichtsräte deuteten an, eine Übernahme durch Schaeffler nicht auszuschließen. Unter anderem stellte sich mit Erwin Wörle ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat offen auf Schaefflers Seite. Auch der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel und TUI-Chef Michael Frenzel sollen sich immer mehr Schaeffler zugewandt haben.

Wennemer hatte Continental in den vergangenen Jahren zu einem der fünf weltweit größten Autozulieferer gemacht und deutlich breiter aufgestellt, vor allem durch Übernahmen. Sein größter Coup: Im Sommer 2007 kaufte Conti für rund 11,4 Milliarden Euro die Siemens-Sparte VDO und verstärkte sich damit massiv im Wachstumsmarkt Autoelektronik.

Im Konsolidierungsprozess der Branche zu den Gewinnern zählen, das war das Ziel Wennemers. Sein Credo: Sozial ist, was die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sichert, und zwar dauerhaft. Um auch künftig Erfolg zu haben und in einem schärferen Wettbewerb Aufträge an Land zu ziehen, müsse Continental seine Kosten ständig auf den Prüfstand stellen - um nicht irgendwann als "Tochtergesellschaft eines chinesischen Konzerns" zu enden. Conti gilt als Vorreiter von Produktionsverlagerungen ins Ausland und wächst seit Jahren vor allem im Ausland. Für viele Gewerkschafter ist Wennemer deswegen ein "rotes Tuch".

1947 in einem Dorf im Münsterland geboren, legte Wennemer 1973 an der Universität Münster sein Mathematik-Diplom ab. Kurze Zeit später stieg er als Projektleiter im EDV-Bereich bei Procter & Gamble ein. Nach mehreren Zwischenstopps kam er 1994 als Vorstandsvorsitzender zum Autozulieferer Benecke-Kaliko in Hannover, der kurze Zeit später von Conti zu 100 Prozent übernommen wurde. Vier Jahre später zog Wennemer in den Continental-Vorstand ein und verantwortete dort zunächst die Tochter ContiTech. Am 11. September 2001 - dem Tag der Terroranschläge in den USA - wurde Wennemer neuer Conti- Vorstandschef.

Jetzt tritt ein Neuer in seine Fußstapfen. Ein Nachfolger werde kurzfristig bestimmt, sagte Schaeffler. Als Favorit für den Posten gilt Conti-Vorstand Karl-Thomas Neumann, 47. Auch Alan Hippe, 41, werden Chancen eingeräumt.

ssu/dpa



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