Cordes-Nachfolge Gerüchte um Bernhard-Rückkehr zu DaimlerChrysler

Der designierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche ist auf der Suche nach einem Nachfolger für Mercedes-Chef Eckard Cordes möglicherweise fündig geworden. Nach einer Meldung des "Stern" soll der VW-Markenchef Wolfgang Bernhard 2006 zu DaimlerChrysler zurückkehren.


VW-Chef Bernhard: Rückschlag für Volkswagen?
DDP

VW-Chef Bernhard: Rückschlag für Volkswagen?

Hamburg - Nach Informationen aus Konzernkreisen hat der designierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche vor Vertrauten den Wechsel bestätigt. Zetsche soll dem "Stern" zufolge intern angekündigt haben, Bernhard komme im Sommer 2006 zurück nach Stuttgart und werde dann die Führung der Marke Mercedes übernehmen. Zetsche hat mit Bernhard rund vier Jahre gemeinsam an der Sanierung der amerikanischen Daimler-Tochter Chrysler gearbeitet. Die beiden gelten in der Autoindustrie als eingespieltes Doppel.

Sowohl DaimlerChrysler als auch Volkswagen wollten einen möglichen Wechsel nicht kommentieren. In Branchenkreisen wird eine Rückkehr Bernhards für unwahrscheinlich gehalten. "Da ist nichts dran", zitiert die Nachrichtenagentur ddp einen Kenner.

Bei DaimlerChrysler hatte Bernhard maßgeblich zur Sanierung von Chrysler beigetragen und war bereits als Chef von Mercedes-Benz ernannt. Zwei Tage, bevor er die Führung übernehmen konnte, war er jedoch von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp geschasst worden.

Bernhard hatte sich in der Aufsichtsratssitzung zuvor gegen weitere Finanzspritzen für Mitsubishi ausgesprochen und damit Schrempp eine schwere Niederlage bereitet. Zudem meldeten die Betriebsräte bei Mercedes-Benz Einwände gegen Bernhard an, der bei Mercedes Sanierungsbedarf ausgemacht hatte.

Für den VW-Konzern würde Bernhards Weggang einen herben Verlust bedeuten. Denn dort gilt er als Hoffnungsträger, dem die dringend anstehende Sanierung gelingen könnte. Nach Ansicht Bernhards steckt Volkswagen auch operativ in einer ernsten Krise. "Wir müssen erkennen, dass wir massive Probleme haben, die wir sofort anpacken müssen", sagte in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Die Marke VW habe eine "relativ große Durststrecke" vor sich, da das Modellfeuerwerk mit der Einführung von Touran, Golf und Passat weitgehend abgefeuert sei. "Um auf ein angemessenes Unternehmensergebnis zu kommen, müssen wir uns bei der Marke VW um etwa sieben Milliarden Euro verbessern."

Ende des Jahres will Bernhard dem Aufsichtsrat seinen Restrukturierungsplan vorstellen. Ob es darin auch Werksschließungen oder -verkäufe geben wird, ist derzeit noch offen. Trotzdem soll die Modelloffensive fortgesetzt werden. Dabei steht auch zur Diskussion, auf Plattformen und Teile der Konzernschwester Audi zurückzugreifen.



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