Vermögensverteilung nach Corona Wie die Reichen aus der Krise kommen

Mehr als die Hälfte des globalen Finanzvermögens liegt mittlerweile in der Hand von Millionären. Wenn die Coronakrise überstanden ist, dürfte deren Reichtum laut einer neuen Studie bald wieder wachsen.
Luxusjacht 'Eclipse' von Oligarch Roman Abramowitsch

Luxusjacht 'Eclipse' von Oligarch Roman Abramowitsch

Foto: Sebastien Nogier/ picture alliance / dpa

Arm und Reich: Dieser Gegensatz könnte durch Corona noch größer werden. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie drohten bis zu 395 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut zu geraten, warnte die Uno kürzlich in einer Studie. Die Armutsbekämpfung könne dadurch um "20 bis 30 Jahre zurückgeworfen werden".

Am anderen Ende der Skala muss man die Folgen der Pandemie deutlich weniger fürchten. Das zeigt der neue "Global Wealth Report" der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), der Finanzvermögen wie Bargeld, Aktien, Wertpapiere oder Fonds untersucht. Dieses dürfte infolge der Pandemie im laufenden Jahr zwar leicht schrumpfen - von 226 Billionen US-Dollar Ende 2019 auf 210 bis 220 Billionen im laufenden Jahr. Danach wird aber wieder stetiges Wachstum erwartet. Die größten Profiteure sind dabei jene, die ohnehin schon viel Geld haben.

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Die Studienautoren berechneten für die Wirtschaftsentwicklung der nächsten fünf Jahre drei verschiedene Szenarien: eine schnelle Erholung, eine langsame und einen Verlauf mit lang anhaltenden Schäden. Im ersten Szenario würde das durchschnittliche Vermögenswachstum 4,5 Prozent pro Jahr betragen, im zweiten 3,2 Prozent und im letzten immerhin noch 1,4 Prozent. Je nach Vermögen bedeutet das:

  • Wohlhabende mit einem persönlichen Vermögen von 250.000 bis einer Million Dollar erwartet - je nach Szenario - ein Wachstum zwischen 1,7 und 4,6 Prozent.

  • Reiche mit einem persönlichen Vermögen zwischen einer und 100 Millionen Dollar können eine Wachstumsrate von 0,2 bis 4,7 Prozent erwarten.

  • Ultrareiche mit einem persönlichen Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar sagt BCG ein Wachstum zwischen 1,4 und 5,8 Prozent voraus.

Der Anteil der Dollar-Millionäre am weltweiten Gesamtvermögen ist bereits in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Lag er 2015 noch bei 43 Prozent, so sind es inzwischen 51 Prozent. In Deutschland (und Westeuropa insgesamt) sind die Vermögensunterschiede nicht ganz so ausgeprägt: Menschen mit weniger als 250.000 Dollar besitzen in der Bundesrepublik immerhin 47 Prozent der Vermögen, während es weltweit nur 34 Prozent sind.

Zugleich gibt es in Deutschland aber besonders viele Ultrareiche - wie etwa den Lidl-Gründer Dieter Schwarz oder die BMW-Erbin Susanne Klatten. Insgesamt gibt es in Deutschland laut BCG über 2400 Menschen mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar.

Insgesamt sei das Vermögenswachstum in den vergangenen 20 Jahren von "außergewöhnlicher Widerstandsfähigkeit" gewesen, heißt es in der Studie – trotz mehrerer schwerer ökonomischer Krisen. Jahrelang boomte der Aktienmarkt, wovon vor allem Reiche und Ultrareiche profitierten. Sie haben im Schnitt mehr als die Hälfte ihres Vermögens in Aktien und Fonds investiert, bei Menschen mit weniger als einer Viertelmillion Dollar waren es im Schnitt hingegen nur neun Prozent.

Jetzt, da die Coronakrise viele Unternehmen in ihrer Existenz bedroht, spüren Aktienbesitzer die Folgen stärker als klassische Sparer. "Sie werden viel höhere Verluste verzeichnen", sagt Anna Zakrzewski, Global Head of Wealth Management bei BCG. Die Deutschen hingegen seien als "Nation von Sparern" vergleichsweise wenig betroffen.

Doch sobald die Wirtschaft nach der Coronakrise wieder anzieht, dürfte sich noch mehr Geld an der Spitze ballen. In Nordamerika werden laut BCG die Vermögen von Reichen und Ultrareichen weiterhin am schnellsten wachsen. In Asien, Westeuropa und Nahost wird das Segment der Wohlhabenden am stärksten zulegen.

Chinesische Luxusgeschäfte: Ein Viertel des globalen Finanzvermögens liegt in Asien

Chinesische Luxusgeschäfte: Ein Viertel des globalen Finanzvermögens liegt in Asien

Foto: Zhou junxiang/ AP/ Imaginechina

Das rasanteste Wachstum findet dabei längst nicht mehr im Westen statt. Besonders schnell hat sich der Wohlstand in Asien vermehrt, was mittlerweile auch in Filmen wie "Crazy Rich Asians" thematisiert wird. Heute liegt in der Region bereits ein Viertel des globalen Finanzvermögens - im Jahr 1999 waren es noch lediglich neun Prozent. Die Zahl der Reichen in China ist seitdem um das 24-Fache gewachsen.

Viele wohlhabende Chinesen deponieren ihr Geld wiederum in Hongkong, das mit ausländischen Vermögen von 1,9 Billionen Dollar weltweit auf Platz zwei kommt, oder in Singapur, das mit 1,1 Billionen den dritten Platz einnimmt. Ganz vorn landet in dieser Kategorie laut der Studie aber vorerst noch ein europäisches Land: Die Schweiz beherbergt rund 2,4 Billionen Dollar - nicht weniger als ein Viertel der grenzüberschreitenden Vermögen.