Coronaimpfstoff AstraZeneca reduziert Liefermenge noch weiter

Statt 90 Millionen jetzt nur noch 30 Millionen Dosen: AstraZeneca wird der EU bis Ende März noch weniger Impfstoff liefern als bisher angekündigt. Auch bei Johnson & Johnson gibt es Lieferprobleme.
Knappes Gut: Impfstoff von AstraZeneca

Knappes Gut: Impfstoff von AstraZeneca

Foto: Gareth Fuller / dpa

Der schwedisch-britische Impfstoffhersteller AstraZeneca hat erneut die angekündigte Liefermenge nach unten korrigiert. Demnach sollen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bis Ende des Monats wohl nur 30 Millionen Dosen Coronaimpfstoff erhalten – zehn Millionen weniger als zuletzt angekündigt. Auch dabei handelte es sich bereits um eine reduzierte Menge: Ursprünglich hatte AstraZeneca noch vertraglich zugesichert, 90 Millionen Dosen zu liefern.

Ein Sprecher von AstraZeneca lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ab. Aus Unternehmenskreisen heißt es laut Reuters jedoch, es habe Schwierigkeiten mit internationalen Lieferketten gegeben. Die »Süddeutsche Zeitung« berichtet , verantwortlich für den Engpass seien Anlaufschwierigkeiten in einem belgischen Werk des Auftragsfertigers Thermo Fisher.

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EU-Industriekommissar Thierry Breton, der auch die Impfstoff-Taskforce der Kommission leitet, äußerte seine Frustration über die Ankündigung des Impfstoffherstellers. AstraZeneca müsse jetzt den »treuhänderischen Pflichten nachkommen« und tun, was nötig sei »um die Zusagen zu erfüllen«, schrieb er auf Twitter.

Aktuell gibt es außerdem Bedenken zur Sicherheit des Impfstoffs von AstraZeneca: Nach Berichten über Gerinnungsstörungen hatten mehrere EU-Länder die Impfungen mit der Vakzine ausgesetzt. Es ist allerdings unklar, ob der Impfstoff die Ursache für Blutgerinnsel war oder diese zufällig gleichzeitig auftraten. Der europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) wurden bislang nur 30 Fälle von Gerinnungsstörungen nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet – und das bei bislang knapp fünf Millionen Geimpften. Das entspräche einer Rate von 0,006 pro 1000 Personen.

Auch bei Johnson & Johnson gibt es Lieferprobleme

Auch beim US-amerikanischen Hersteller Johnson & Johnson gibt es Probleme mit der Lieferung. Nachdem der Impfstoff am Donnerstag in der EU zugelassen worden war, hatte die EU 200 Millionen Dosen davon bestellt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte aber anschließend in der ARD: »Die Wahrheit ist, dass frühestens Mitte, Ende April mit Lieferungen zu rechnen ist – nach Angaben von Johnson & Johnson.«

Hintergrund des späten Lieferstarts für den Coronaimpfstoff von Johnson & Johnson in Europa sind neue Zweifel darüber, ob die USA die Ausfuhr dort abgefüllter Impfstoffe gestatten. Deshalb hat das Unternehmen nach eigenen Angaben die Lieferkette umgestellt, um die USA zu umgehen. Die Abfüllung solle nun an einem anderen Ort stattfinden und die Änderung brauche etwas Zeit, zitiert die Nachrichtenagentur dpa EU-Kreise.

Ursprünglich sollte die Abfüllung – das sogenannte Fill and Finish – des in den Niederlanden entwickelten und teils in der EU produzierten Impfstoffs in den USA stattfinden, auch für Lieferungen an Europa. Lange hieß es, es gebe Zusicherungen aus Washington, dass die für die EU bestimmten Mengen wieder zurückkämen.

Nun bestehe neue Unsicherheit über die amerikanische Linie, bestätigten mehrere Quellen in Brüssel. Dass Johnson & Johnson für die europäischen Lieferungen die Produktionswege umgestellt habe, sei deshalb beruhigend, sagte ein EU-Vertreter.

Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte einen Exportstopp für Coronaimpfstoffe verhängt, den sein Nachfolger Joe Biden bislang nicht aufgehoben hat. Biden kündigte lediglich an: »Falls wir einen Überschuss haben, dann teilen wir ihn mit dem Rest der Welt.« Zunächst aber dringt der Demokrat in den USA auf Tempo: Ab 1. Mai sollen alle Erwachsene ein Impfangebot bekommen.

Jens Spahn kritisiert USA

Spahn hatte in der ARD Kritik an den USA anklingen lassen. Der Gesundheitsminister sagte, man habe es auch bei Medikamenten und Tests in den letzten zwölf Monaten immer wieder erleben müssen, dass »bestimmte Produkte die USA nicht verlassen haben«. »Dies finde ich problematisch, auch im Miteinander in der transatlantischen Partnerschaft.« Dies müsse man nun mit den Partnern besprechen.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson soll als bislang einziger mit nur einer Dosis den vollen Schutz bieten. Zudem kann er in einfachen Kühlschränken aufbewahrt werden.

bah/Reuters/dpa
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