Produktionsstopps wegen Corona In China stehen viele Fabriken still

Geschlossene Fabriken bei Tesla und VW, Schiffsstaus vor Häfen: Die Ausbreitung von Omikron führt zu vielen Produktionsausfällen in China. Auch wenn weitere Schließungen befürchtet werden – eine Firma darf wieder öffnen.
Volkswagen-Werk im chinesischen Changchun: Produktionsstopp verlängert

Volkswagen-Werk im chinesischen Changchun: Produktionsstopp verlängert

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Xu Chang; / imago images/Xinhua

In China ist Omikron auf dem Vormarsch – so sehr, dass in vielen Teilen des Landes Fabriken stillstehen. Der US-Elektroautohersteller Tesla etwa stellte am Mittwoch im Zuge verschärfter Restriktionen die Produktion in seinem Werk in Shanghai nach Reuters-Informationen für zwei Tage ein. Das gehe aus einer Mitteilung an Beschäftigte und Lieferanten hervor. Eine Begründung wurde nicht angeführt.

Unterdessen verlängerte Volkswagen einen Produktionsstopp wegen des Corona-Lockdowns in drei Werken in der nordostchinesischen Metropole Changchun um einen weiteren Tag. Die Verlängerung auf vier Tage sei eine Vorsichtsmaßnahme, sagte eine Sprecherin. Allerdings werde in einem Werk in Shanghai der Betrieb nach zweitägiger Verspätung am Donnerstag wieder aufgenommen.

Die Behörden von Changchun hatten am Freitag einen Lockdown für die Neun-Millionen-Metropole angeordnet, nachdem die Coronazahlen deutlich angestiegen waren. In Shanghai und vielen anderen Städten in China wird die Bewegungsfreiheit der Menschen derzeit stark eingeschränkt. So müssen etwa die Menschen in Shanghai 2 bis 14 Tage zu Hause bleiben, um auf Corona getestet zu werden und Kontakte nachzuverfolgen. Etliche Fabriken im Land wurden geschlossen.

Wieder zur Arbeit durften die Mitarbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn im südchinesischen Shenzen. Nach dem Produktionsstopp wegen des dortigen Coronalockdowns wurde der Betrieb in der iPhone-Fertigungsstätte in der Metropole teilweise wieder aufgenommen. Wie das taiwanische Mutterhaus Hon Hai mitteilte, wurden für Beschäftigte »geschlossene Kreisläufe« geschaffen, da Wohnheime auf dem Gelände lägen. Die Beschäftigten würden sich in einer »Blase« befinden. So sei es möglich, einen Teil der Produktion wieder aufzunehmen. Das Unternehmen folge damit den Vorgaben der Behörden.

Unterdessen werden die Staus von Containerschiffen vor großen chinesischen Handelshäfen von Tag zu Tag länger. Die wichtigsten Häfen seien zwar geöffnet und würden auch Ladungen löschen, sagten Schiffseigner, Analysten und Lieferkettenmanager. Aber die Schlangen würden immer länger, weshalb einige Containerschiffe bereits ihre Routen änderten, um die erwarteten Verzögerungen zu vermeiden. Höhere Transportkosten dürften die Folge sein.

Yantian-Hafen von Shenzen: Sorge vor Schließung

Yantian-Hafen von Shenzen: Sorge vor Schließung

Foto: Martin Pollard / REUTERS

Die Beladung im Yantian-Hafen von Shenzhen, dem viertgrößten Containerterminal der Welt, gehe bereits »massiv zurück«, sagte Jasmine Wall, Asien-Pazifik-Managerin beim Transportunternehmen Seko Logistics. Lkw-Fahrer und Fabrikarbeiter müssten zu Hause bleiben. »Das bedeutet, dass es schwierig werden wird, Fracht zu und von den Häfen zu transportieren«, bestätigte Lars Jensen, Chef von Vespucci Maritime, einer Beratungsfirma für die Containerschifffahrt. »Das wird sich störend auf die Lieferkette auswirken – und damit die ohnehin vorhandene Krise der Lieferketten verlängern.«

Die Null-Toleranz-Politik der chinesischen Behörden im Kampf gegen das Coronavirus deutet dem Reederverband Bimco zufolge darauf hin, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu weiteren Schließungen kommen wird. »Eine Verlangsamung der chinesischen Exporte wird die Störungen in der Lieferkette verschärfen und die Lagerbestände der Unternehmen verringern, was zu weiteren Preissteigerungen führen könnte«, sagte Bimco-Chefanalyst Niels Rasmussen.

In zehn Wochen mehr Covid-Fälle als in ganz 2021

China erlebt derzeit die größte Viruswelle seit dem ersten Coronaausbruch in der zentralchinesischen Stadt Wuhan vor zwei Jahren. In den vergangenen zehn Wochen meldete das Land mehr als 14.000 symptomatische Fälle – das sind mehr als im gesamten Jahr 2021.

Nach der ersten großen Coronawelle hatte China das Virus mit strengen Maßnahmen schnell unter Kontrolle bringen können. Seitdem erlebte die zweitgrößte Volkswirtschaft lediglich auf einzelne Regionen begrenzte Ausbrüche. Doch seit Omikron Anfang Januar erstmals in der ostchinesischen Hafenmetropole Tianjin entdeckt worden ist, fürchten Gesundheitsexperten, dass die besonders ansteckende Coronavariante die chinesischen Schutzmaßnahmen an ihre Grenzen bringen könnte .

sol/dpa/Reuters
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