Erholung nach der Krise Ifo-Institut rechnet für 2021 mit kräftigem Aufschwung

Zehn Prozent Wachstum: Das trauen Unternehmen einer Ifo-Umfrage zufolge der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr zu. Zunächst kommt jedoch wohl der Rekordeinbruch.
Containerschiff in Kiel: Vom niedrigen Niveau aus um 10,2 Prozent nach oben

Containerschiff in Kiel: Vom niedrigen Niveau aus um 10,2 Prozent nach oben

Foto: Guenter Nowack / penofoto / imago images

In der Coronakrise hält eine Ifo-Umfrage nach einem Rekordeinbruch der deutschen Wirtschaft eine kräftige Erholung für möglich. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr voraussichtlich um 6,6 Prozent sinken, hieß es in der aktualisierten Prognose der Münchner Wirtschaftsforscher. Im kommenden Jahr soll es dann von dem niedrigen Niveau aus um 10,2 Prozent nach oben gehen.

Grundlage für die Vorhersage ist die jüngste Umfrage unter 9000 Unternehmen. "Sie halten im Schnitt eine Normalisierung ihrer eigenen Geschäftslage innerhalb von neun Monaten für den wahrscheinlichsten Fall", sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser.

Rekordeinbruch von 12,4 Prozent im zweiten Quartal erwartet

Der Tiefpunkt dürfte demnach im laufenden zweiten Quartal erreicht werden. Hier wird ein Rekordeinbruch von 12,4 Prozent erwartet, ehe sich die Konjunktur bis Mitte kommenden Jahres erholen werde. "Erst dann werden wieder so viele Waren und Dienstleistungen produziert wie in einer Situation ohne Coronakrise", sagte Wollmershäuser.

Der Einbruch wird in diesem Jahr voraussichtlich stärker als während der Finanzkrise 2008/09: Damals war die Wirtschaftsleistung um 5,7 Prozent geschrumpft. Kurz nach Beginn der Corona-Beschränkungen im März hatten die Ökonomen noch einen glimpflicheren Verlauf der Krise erwartet: Bei Berücksichtigung der zusätzlichen Arbeitstage in diesem Jahr hatte das Ifo-Institut Ende April ein Minus von 6,2 Prozent erwartet. Kalenderbereinigt - also wenn die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage in diesem und im letzten Jahr nicht einfließt - hatten die Ifo-Forscher jedoch bereits mit einem Minus von 6,6 Prozent gerechnet.

Bereits jetzt sind die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise in Deutschland stark zu spüren: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Einbruch zum Jahresanfang war der stärkste Rückgang im Quartalsvergleich seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung.

Luftfahrt rechnet noch länger mit schlechtem Geschäft

In den meisten Wirtschaftszweigen gaben die Unternehmen in der Ifo-Umfrage an, dass eine Normalisierung ihrer Geschäftslage in acht oder neun Monaten am wahrscheinlichsten sei. Am längsten dürfte das Hochfahren demnach in der Luftfahrt mit 16 Monaten dauern. Aber auch Reisebüros und Reiseveranstalter, Unternehmen in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche sowie die Autoindustrie gehen von einer überdurchschnittlich langen Erholung aus.

Sollte sich die Konjunktur bereits nach nur fünf Monaten wieder fangen, dürfte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr nur um 3,9 Prozent schrumpfen und 2021 um 7,4 Prozent zulegen. Im schlechtesten Fall - einer durchschnittlichen Normalisierungsdauer von 16 Monaten - erwartet das Ifo-Institut 2020 einen Einbruch von 9,3 Prozent und ein Wachstum im kommenden Jahr von 9,5 Prozent. "Die Erholung würde sich dann bis weit in das Jahr 2022 hinziehen", schrieben die Forscher.

Die Prognose steht allerdings in mehrfacher Hinsicht unter Vorbehalt. Alle drei Szenarien gehen von einer allmählichen Lockerung ab Ende April aus. Die neue Prognose wurde unter der Annahme erstellt, dass die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt und keine zweite Infektionswelle kommt. Die Ifo-Konjunkturforscher schlossen bei den Berechnungen zudem eine globale Insolvenzwelle aus.

kko/Reuters/dpa
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