Corona-Folgen Trump wirbt beharrlich für Negativzinsen

US-Präsident Trump ist erneut auf Konfrontationskurs zu Notenbankchef Powell gegangen: Er machte sich wiederholt für Minuszinsen stark. Gleichzeitig lobte er den Fed-Chef.
Donald Trump am Mittwoch: Der US-Präsident ist überzeugt, dass das Land Negativzinsen haben sollte

Donald Trump am Mittwoch: Der US-Präsident ist überzeugt, dass das Land Negativzinsen haben sollte

Foto: Evan Vucci/ AP

US-Präsident Donald Trump hat sich erneut für Negativzinsen ausgesprochen. Trump sagte am Mittwoch, dass er Leitzinsen unter null Prozent möge. Er sei davon überzeugt, dass die USA Negativzinsen haben sollten.

Damit sei er anderer Meinung als US-Notenbankchef Jerome Powell, der keine Minuszinsen anstrebe. Trotz der Differenzen habe er aber den Eindruck, dass sich Powells Leistung als Zentralbankchef verbessert habe. Powell habe zuletzt einen "sehr guten Job gemacht", sagte Trump weiter. Der Republikaner hatte Powells Arbeit zuvor mehrmals kritisiert.

Trump hat die Notenbank Fed bereits zum wiederholten Mal aufgefordert, Negativzinsen einzuführen. An den Börsen beginnen Investoren inzwischen, auf Sätze unterhalb von null Prozent zu wetten.

Negativzinsen gelten in der Geldpolitik als unkonventionelles Instrument, um in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft anzuschieben. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte 2014 erstmals ihren Einlagensatz auf unter null Prozent. Aktuell liegt er bei minus 0,5 Prozent.

Investoren spekulieren auf Negativzins

Ein negativer Satz bedeutet, dass Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Liquidität parken. Der Gedanke dahinter: Sie sollen stattdessen das Geld nutzen, um mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte auszureichen. Auch in Ländern wie Japan und der Schweiz nutzen die Notenbanken dieses Instrument.

Investoren spekulieren in den USA inzwischen darauf, dass auch die Fed zu Negativzinsen übergehen könnte. "Das hat sich von einer theoretischen Angelegenheit zu einer klaren Möglichkeit entwickelt", sagt Michael Purves, Chef des Beraterhauses Tallbacken Capital Advisors.

Ablesen lässt sich dies aus den Kursen von Zinsoptionen am Finanzmarkt. Nach Daten der Bank of America liegt basierend auf den Optionskursen für US-Zinsswaps die Wahrscheinlichkeit inzwischen bei 23 Prozent, dass der US-Leitzins bis Dezember auf unter null Prozent gesenkt wird. Vor einer Woche waren es lediglich neun bis zehn Prozent.

Turbulenzen an den Kreditmärkten befürchtet

Die Fed hatte ihren Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bereits auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt und umfangreiche Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft in Billionenhöhe aufgelegt. Doch Notenbankchef Powell sieht Minuszinsen skeptisch. Diese würden der Wirtschaft wahrscheinlich nicht helfen, sagte er im März. Eine Reihe hochrangiger US-Währungshüter pflichtete dieser Einschätzung bei. Sie befürchten insbesondere Turbulenzen an den Kreditmärkten, sollte der Schlüsselzins auf unter null Prozent fallen.

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Dies ist auch ein Grund, warum viele Investoren der Idee bislang wenig abgewinnen können. "Die Einführung von Negativzinsen in den USA würde mehr Verwerfungen verursachen als in Japan oder in Europa", sagt etwa Ayako Sera, Marktstratege bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank in Tokio. In den USA seien die Unternehmen für ihre Finanzierung auf die Kreditmärkte angewiesen. Negative Zinsen würden aber die Kursbildung für viele Wertpapiere durcheinanderwirbeln.

John Praveen, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QMA, führt noch einen weiteren Grund an: Falls die Fed entscheiden sollte, negative Sätze einzuführen, könne das als Zeichen gewertet werden, dass ihr die Munition ausgehe. "Das ist ganz klar nicht der Fall."

brt/Reuters
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