Coronakrise EZB-Chefin Lagarde will noch lange Euro-Staatsanleihen kaufen

Europas Wirtschaft erholt sich spürbar vom Coronaschock. Doch die Chefin der Europäischen Zentralbank will noch nicht einmal über das Ende des Notprogramms debattieren.
Christine Lagarde (Archivbild)

Christine Lagarde (Archivbild)

Foto: Olivier Matthys / dpa

Die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, hält trotz der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung die Zeit noch nicht reif für eine Diskussion über das Ende der Krisen-Anleihenkäufe.

»Es ist viel zu früh, um diese Themen zu debattieren«, sagte Lagarde dem Medium »Politico« in einem Interview, das die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag auf ihrer Website veröffentlichte. Die Erholung müsse solide und nachhaltig sein.

Man nehme einem Patienten nicht die Krücken weg, sagte die Französin, bevor die Muskeln beginnen, sich ausreichend aufzubauen, sodass der Patient sich wieder auf seinen eigenen zwei Beinen bewegen könne.

»Wir bewegen uns in die richtige Richtung«

Lagarde sagte, dass die Wirtschaft der Eurozone laut den jüngsten ökonomischen Projektionen der Notenbank-Volkswirte wahrscheinlich während des ersten Quartals 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen werde.

»Dieses gesagt, lege ich nicht nahe, dass das pandemische Notfall-Kaufprogramm am 31. März stoppen wird«, sagte sie. »Wir haben genügend Flexibilität, aber was den wirtschaftlichen Ausblick angeht, bewegen wir uns in die richtige Richtung.«

Die EZB hatte am Donnerstag auf ihrer Zinssitzung beschlossen, dass die Anleihenkäufe des billionenschweren Krisenprogramms PEPP auch im nächsten Quartal deutlich umfangreicher ausfallen sollen als zum Jahresstart.

Das auf 1,85 Billionen Euro angelegte Programm soll noch mindestens bis Ende März 2022 laufen – und in jedem Falle so lange, bis die Krisenphase vorüber ist.

Auch bei der Zinspolitik ist keine Kursänderung in Sicht. Obwohl die Teuerung im Euroraum zuletzt spürbar zugenommen hat, ist seitens der EZB weder eine Anhebung der Leitzinsen von derzeit null Prozent noch eine Erhöhung des Einlagensatzes von minus 0,5 Prozent zu erwarten.

Die Notenbank strebt auf mittlere Sicht eine Preissteigerungsrate von knapp zwei Prozent pro Jahr an.

clh/Reuters
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