Unerwartete Folge der Coronakrise In den USA wird die Kohlensäure fürs Bier knapp

Abgestandenes Bier durch die Covid-19-Pandemie - amerikanische Brauereivertreter berichten von Engpässen bei der Kohlensäure. Der Grund: Die Leute fahren zu wenig Auto.
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Der Frühling der Nordhalbkugel hat begonnen, die Temperaturen steigen, doch Millionen Menschen können das sonnigere Wetter durch die Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Coronakrise kaum genießen. Eine eisgekühlte Limonade auf dem Balkon, ein feinperlendes Bier oder ein prickelndes Sodawasser gehören für viele derzeit zu den wenigen Möglichkeiten, Frühlingsgefühle zu zelebrieren. Doch US-Getränkeherstellern zufolge könnte auch damit bald Schluss sein - sie fürchten einen Kohlendioxid-Engpass.

Denn das Gas CO2, landläufig auch nicht ganz korrekt "Kohlensäure" genannt und zur Herstellung zahlreicher Softdrinks und Craft-Biere verwendet, droht nach Aussage von US-Branchenverbänden knapp zu werden. Aufgrund von Lieferengpässen seien die CO2-Preise für Bierbrauereien aktuell um 25 Prozent gestiegen, so Bob Pease, Vorsitzender des US-Craft-Beer-Verbands Brewers Association: "Das Problem beschleunigt sich. Täglich berichten mehr Mitglieder davon." In zwei bis drei Wochen seien erste Produktionsrückgänge zu erwarten.

Bereits am 7. April hatte Rich Gottwald, Geschäftsführer der Compressed Gas Association, in einem Brief an US-Vizepräsident Mike Pence gewarnt, die CO2-Produktion sei um 20 Prozent zurückgegangen. Sie könne in den kommenden Wochen sogar auf die Hälfte des üblichen Niveaus sinken.

Ursache der Verknappung ist die andauernde Coronakrise: Kohlendioxid in Lebensmittelqualität entsteht zu großen Teilen als Nebenprodukt in der Ethanolproduktion. Diese ist jedoch eng verschränkt mit der Benzinherstellung. Durch die Einschränkungen der Mobilität während der Covid-19-Pandemie ist jedoch der Absatz von Motorenbenzin empfindlich eingebrochen - in den USA zurzeit um mehr als 30 Prozent.

Auch wenn Bier und Limonade demnächst vielleicht nicht mehr so prickeln, ein Gutes könnte die Entwicklung haben: Durch die radikale Abnahme des Straßenverkehrs könnte Kohlendioxid bald auch dort weniger vorhanden sein, wo es bisher im Übermaß vorhanden war - in der Atmosphäre.

dak/rtr
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