Kollaps der Volkswirtschaft Minus 15 Milliarden Euro pro Woche

McKinsey hat ausgerechnet, wie stark die Wirtschaftsleistung derzeit einbricht. Die Prognose der Unternehmensberater: Deutschland erreicht erst 2028 wieder den alten Wachstumspfad. Und auch nur, wenn es alles richtig macht.
Foto: Boris Roessler/ dpa

Der aktuelle Wirtschaftseinbruch nimmt in Deutschland laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey dramatische Dimensionen an. In der vergangenen Woche (ab dem 20. April) ist nach Rechnung der Berater das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert geschrumpft, das entspricht einem Rückgang von 15 Milliarden Euro pro Woche. Es zeichne sich bereits ab, "dass die Folgen der Pandemie die der Finanzkrise 2008/2009 in bestimmten Dimensionen übertreffen werden", heißt es in dem Papier.

In der vorigen Woche hat Deutschland laut der McKinsey-Untersuchung eine Wirtschaftsleistung von 43 Milliarden Euro erzielt, 2019 waren es im Wochenschnitt 58 Milliarden Euro. Hauptursache für den Rückgang ist der Einbruch der Nachfrage. Allein auf das produzierende Gewerbe, vor allem auf die Autoindustrie sowie auf den Maschinen- und Anlagenbau, entfiel ein Minus von vier Milliarden Euro. Verloren haben auch das Gesundheits- und Sozialwesen (1,6 Milliarden Euro), der Großhandel (1,1 Milliarden Euro), die Hotellerie und Gastronomie (900 Millionen Euro) sowie Kunst und Unterhaltung (800 Millionen Euro).

DER SPIEGEL 19/2020
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Laut Bundesagentur für Arbeit sind mehr als zehn Millionen Beschäftigte in 751.000 Betrieben von Kurzarbeit betroffen, gut siebenmal mehr als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Damals stammten laut McKinsey 80 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer aus der Metallindustrie, dem Hightech-Sektor oder anderen produzierenden Unternehmen. Heute dagegen gingen Anmeldungen zur Kurzarbeit aus nahezu allen Branchen ein. Für das zweite Quartal erwartet das McKinsey Global Institute je nach Szenario ein Schrumpfen der Wirtschaft um 10 bis 14 Prozent, auf das Jahr rechnen die Berater mit einem BIP-Verlust von fünf bis zehn Prozent.

Die deutsche Wirtschaft sollte ihre Digitalisierungspotenziale ausschöpfen, um die negativen Konsequenzen der Krise zumindest teilweise auszugleichen, raten die McKinsey-Berater. Nutze Deutschland die Krise und treibe den digitalen Strukturwandel voran, dauert es nach ihrer Schätzung bis 2028, bis das Land wieder den Wachstumspfad erreicht, den es ohne Ausbruch der Pandemie gegangen wäre. Andernfalls, warnt Deutschland-Chef Cornelius Baur, sei eine Rückkehr auf den ursprünglichen Wachstumspfad "in diesem Jahrzehnt nicht mehr machbar".

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