Schutzkleidung und andere Produkte Massive Lieferengpässe für Waren aus China

Frachtschiffe von Fernost nach Europa sind ausgebucht, Reedereien verlangen horrende Aufschläge. Das führt auch zu Problemen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie.
Containerterminal am Hamburger Hafen

Containerterminal am Hamburger Hafen

Foto: Maurizio Gambarini/ picture-alliance/ dpa

Unternehmen in Europa, die auf Nachschub aus China angewiesen sind, schauen sorgenvoll auf Engpässe und explodierende Preise in der Logistikkette. Sendungen kommen derzeit verzögert an, weil Häfen überfüllt sind und Containerschiffe voll ausgelastet fahren. Die Kosten für den Warentransport steigen unaufhörlich. Derzeit werden Preise von mehr als 5000 Dollar für die Beförderung eines 40 Fuß großen Seefracht-Containers aufgerufen, in den 25 Euro-Paletten Fracht passen.

Erste Reeder verhängen einen Buchungsstopp, da viele Containerschiffe bis Ende Dezember voll sind. Die Marktlage für Importe aus Asien spitze sich weiter drastisch zu, schreibt ein deutsches Logistikunternehmen an seine Kunden. Reedereien würden »teure Premiumzuschläge« erheben. Mancherorts fehlen Seecontainer, Charterschiffe sind nicht buchbar, weil alle Kapazitäten ausverkauft sind. »Es ist alles auf dem Wasser, was schwimmen kann«, sagt ein Manager eines deutschen Logistik-Konzerns.

Bei Schienentransporten aus Fernost sieht es kaum besser aus. Einen Standardcontainer mit dem Zug aus dem chinesischen Wuhan nach Deutschland zu bringen, kostet derzeit bei manchem Anbieter 8350 Dollar. Güterwaggons seien ein knappes Gut, zudem seien die Warenströme einseitig, weil aus Europa weniger nach China transportiert werde als umgekehrt, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik.

Lkw-Transporte gelten in vielen Fällen als unwirtschaftlich und werden daher nur selten als Alternative gesehen. Für die Strecke von Wuhan nach Deutschland werden aktuell 28.880 Euro von einem Anbieter aufgerufen – für gerade mal 20 Tonnen Ladung. Die Fahrt dauert rund 15 Tage, hinzukommen können sieben bis zehn Tage Wartezeit an der Grenze zwischen China und Kasachstan.

»Schutzkleidung kommt zu 99 Prozent aus Asien«

Auch die Luftfahrt kann nicht für Entlastung sorgen. Denn auch dort boomt das Geschäft; es gibt Airlines, die bis zu acht Euro pro Kilo Fracht aufrufen. Noch vor einigen Jahren waren mal 1,50 Euro ein gängiger Preis; zu Beginn der Coronakrise wurden auch weit höhere Preise von bis zu 16 Dollar pro Kilogramm verlangt.

Durch den Einbruch bei den Passagierflügen fehlen die Frachtkapazitäten dieser Maschinen – manche Fluglinie schickt daher Passagiermaschinen als Frachter in die Luft. Branchenkenner gehen davon aus, dass zum Jahresende die Preise für Luftfracht weiter steigen werden, weil die Schiffskapazitäten erschöpft sind und Unternehmen daher wieder verstärkt aufs Flugzeug umsteigen müssen, um Ware trotzdem nach Europa bringen zu können.

Die angespannte Situation könnte auch wieder die Lieferung von Schutzausrüstung betreffen, die in Europa weiterhin zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie dringend gebraucht wird. »Schutzkleidung kommt zu 99 Prozent aus Asien«, sagt Michael Koch, Projektmanager beim bayerischen Medizin-Großhändler Medika. Das chinesische Neujahrsfest am 12. Februar 2021 bedeute »sechs Wochen keine Produktion und acht bis zehn Wochen keine neue Ware aus China. Das werden wir merken.« Es werde zu einer Verknappung kommen; auch könnten die Preise weiter steigen. »Das Problem werden wir im April oder Mai 2021 sehen«, sagt Koch. »Kommt es schlimm, fehlt die Ware dann ganz.«

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