Krisenmanagement Neue Pannen in Bayern mit Corona-Tests und Masken

Bayerische Behörden geben erneut kein gutes Bild ab: Airlines wissen nicht, wohin mit den Selbstauskünften der Passagiere am Flughafen München. Und viele für den Freistaat bestellte Masken sind unbrauchbar.
Corona-Testzentrum am Flughafen München: Mehrmals erfolglos die zuständige Behörde versucht zu erreichen

Corona-Testzentrum am Flughafen München: Mehrmals erfolglos die zuständige Behörde versucht zu erreichen

Foto: Peter Kneffel / DPA

In Bayern werden neue Details bekannt, die zeigen, dass es massive Probleme bei den Tests auf das neuartige Coronavirus bei Urlaubsheimkehrern gibt. Einige Fluglinien versuchen nach SPIEGEL-Informationen seit vielen Tagen herauszufinden, wie sie mit den sogenannten Passenger Locator Cards  oder auch Aussteigekarten verfahren sollen, die Passagiere aus Risikogebieten im Flugzeug ausfüllen müssen. Mithilfe dieser Formulare kann festgestellt werden, welcher Passagier auf welchem Platz saß. Die Gesundheitsämter, für welche die Karten bestimmt sind, können später kontrollieren, ob die Rückkehrer die häusliche Quarantäne einhalten und ob Sars-CoV-2-Tests durchgeführt worden sind.

Eine große Fluglinie bestätigte dem SPIEGEL, sie habe mehrmals erfolglos versucht, beim zuständigen Landesamt für Gesundheit in Erfahrung zu bringen, was nach einer Landung in München mit den Karten genau passieren solle. Telefonanrufe wie E-Mails seien unbeantwortet geblieben. Der Zustand soll nach Informationen eines Brancheninsiders bis Mitte dieser Woche nicht abgestellt worden sein.

Eine SPIEGEL-Anfrage beantwortete die Behörde nicht, genauso wenig das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Ein Sprecher des Flughafens München sagte, dass der Sachverhalt dort nicht bekannt sei und verweist wiederum auf die beiden Behörden. So blieb unklar, wer sich um die wichtigen Passagierdaten kümmert. In München dürften Tausende dieser Auskunftsbögen von Airlines wie Lufthansa oder Turkish Airlines liegengeblieben sein, mit weitreichenden Folgen: Ohne die Bögen kann nicht ermittelt werden, wer sich verbotenerweise nicht hat testen lassen.

An Deutschlands größtem Luftfahrtdrehkreuz, dem Flughafen Frankfurt am Main, ist hingegen das Vorgehen klar geregelt. Die Karten mit den Passagierinformationen werden an das zuständige Gesundheitsamt weitergegeben. Fluglinien verfahren nach bestimmten Regeln, um Passagiere leichter identifizieren zu können, die sich möglicherweise mit dem Coronavirus angesteckt haben könnten. Die Passenger Locator Cards gehören dazu - Falschangaben auf diesen Formularen können mit bis 25.000 Euro Geldstrafe verfolgt werden. 

Bayerische Staatsregierung warnt vor beschafften Atemschutzmasken

Auch an anderer Stelle läuft das Krisenmanagement Bayerns nach SPIEGEL-Informationen nicht rund. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat Atemschutzmasken, die der Freistaat unter anderem für Arztpraxen und das Technische Hilfswerk beschafft hatte, "vorsorglich gesperrt". Demnach schickte am Freitagabend vergangener Woche ein Mitarbeiter des Pandemie-Zentrallagers eine "Produktwarnung" an mehrere Behörden und Ministerien. Betroffen seien Masken von sechs chinesischen Herstellern des Typs KN95, die ungefähr den höherwertigen FFP2-Atemschutzmasken entsprechen. Sie seien "aufgrund fehlender Zertifikate" bis auf Weiteres gesperrt worden.

Die Ware eines weiteren Herstellers aus China sei im Auftrag des Landesamts untersucht worden. Ergebnis: "Die Prüfmuster haben die Anforderungen vollumfänglich nicht erfüllt." Daher stoppte die Behörde die weitere Auslieferung und warnte davor, die bereits verteilten Masken zu benutzen. Lieferant der Masken ist die Firma F&E Protective aus Passau, die nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums insgesamt drei Millionen Atemschutzmasken an den Freistaat geliefert hat. Das Unternehmen hatte mit Unterstützung des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer (CSU), der ebenfalls aus Passau stammt, auch den Bund mit Schutzmasken versorgt.

Der Geschäftsführer von F&E Protective, Michael Bogner, räumt gegenüber dem SPIEGEL Probleme bei einer Teillieferung an den Freistaat ein. Es sei festgestellt worden, dass Masken "am Kinn nicht zu 100 Prozent abschlossen". Diese Lieferung werde er "natürlich" zurücknehmen.

Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums erklärte, bei der letzten Teillieferung von 14.000 Stück habe das "angeordnete Zertifikat" nicht vorgelegen, weshalb das Landesamt für Gesundheit eine "Testung der Masken durch ein Prüflabor veranlasst" habe. Dabei hätten die Masken die Grenzwerte "nicht erfüllt". Ob die zuvor millionenfach ausgelieferten Masken der Passauer Firma Mängel hatten, ließ das Ministerium offen.

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