Erstes Quartal Baubranche meldet bis zu 40 Prozent weniger Aufträge

Der Bauboom kommt zu einem abrupten Ende: Die Corona-Pandemie macht sich schon jetzt in der Branche bemerkbar - dabei steht das Schlimmste wohl noch bevor.
Treppenhausrenovierung (Symbolbild): Bauboom kommt zum Ende

Treppenhausrenovierung (Symbolbild): Bauboom kommt zum Ende

Foto: Gerhard Leber/ imago images/Gerhard Leber

In ersten Quartal hatten Handwerker und Baubetriebe noch gut zu tun - denn die Auftragsbücher waren zu Beginn des Jahres so gut gefüllt wie noch nie. Doch neue Aufträge kommen in der Coronakrise kaum hinzu. "Das deutet im Augenblick auf nichts Gutes hin", sagte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner. Demnach seien die Aufträge im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.

Damit kommt der Bauboom der vergangenen Jahre zu einem abrupten Ende. Der Verband geht für 2020 davon aus, dass die Umsätze bei rund 135 Milliarden Euro stagnieren werden. Die Zahl von rund 870.000 Beschäftigten im Bausektor könne zwar gehalten werden, werde aber nicht weiter steigen. In den vergangenen Jahren waren die Wachstumsraten zum Teil zweistellig. Noch im ersten Quartal dieses Jahres lagen die Branchenerlöse real um knapp neun Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Aufträge der öffentlichen Hand brechen weg

Während die Nachfrage im Wohnungsbau der Prognose zufolge weiter hoch bleiben dürfte, brechen die Aufträge vor allem im privaten und öffentlichen Bau weg. "Die Steuereinnahmen gehen deutlich zurück", sagte Hübner. Allein die Kommunen, die zu den wichtigsten Auftraggebern gehören, müssten im laufenden Jahr mit Steuerausfällen von rund 15 Milliarden Euro kämpfen, schätzt der Verband.

Er geht davon aus, dass die Umsätze aus Aufträgen der öffentlichen Hand in diesem Jahr preisbereinigt stagnieren werden. Sie stehen für mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes der Branche.

"Es ist daher oberste Prämisse, dass Bund und Länder dafür sorgen, die Haushalte zu stabilisieren", forderte Hübner. Dies dürfe nicht über Investitionskürzungen geschehen. Nach wie vor gebe es einen hohen Modernisierungsbedarf. "Das betrifft nicht nur die Verkehrsinfrastruktur, sondern auch die digitale Infrastruktur, zu der die Bauindustrie ebenfalls viel beitragen kann." Es brauche ein Konjunkturprogramm zur Stärkung der öffentlichen und der privaten Auftraggeber.

Auftragspreise sinken

Weil sich derzeit mehr Firmen auf deutlich weniger Aufträge bewerben, sänken die Auftragspreise aktuell, sagte Hübner. "Aber die Preise, die dort angeboten werden, haben nichts mit den Kosten zu tun." Weil diese für die Bauunternehmen in der Krise aufgrund weitreichender Hygiene- und Schutzvorschriften eher gestiegen sind, geht Hübner mittelfristig auch von steigenden Baupreisen aus. "Auch die Qualität der Bauwerke wird steigen, und das erhöht natürlich auch die Preise."

Mit Blick auf die Gesundheit der Beschäftigten in der Coronakrise zog der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Dieter Babiel, ein positives Fazit. Hier und da sei es vorgekommen, dass Baustellen aufgrund von Infektionen geschlossen werden mussten. "Doch der Anteil ist sehr gering und wird auch immer geringer. Wir sind wirklich gut durch diese Krise gekommen."

kko/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.