Deutschland, Österreich, Italien Mehr Schwarzarbeit durch Corona - der Ländervergleich

Die Schattenwirtschaft nimmt in der Coronakrise zu - das zeigen aktuelle Berechnungen, die dem SPIEGEL vorliegen. Die Unterschiede in Europa sind allerdings groß.
Bauarbeiter in Hannover (Archivbild)

Bauarbeiter in Hannover (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Infolge der Coronakrise dürfte die Schwarzarbeit in der EU deutlich zunehmen. Das ergeben Berechnungen des Ökonomen Friedrich Schneider von Mitte September, die dem SPIEGEL vorliegen.

In Deutschland dürfte der Anteil des Schattensektors an der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr von rund neun auf elf Prozent wachsen. Allein im Hotel- und Gaststättengewerbe werde das Ausmaß der Schwarzarbeit voraussichtlich von rund 55,2 Milliarden Euro auf 60,7 Milliarden Euro zulegen, schreibt der Wissenschaftler von der Johannes Kepler Universität in Linz.

Hauptgründe seien der Einbruch der Wirtschaft, der Anstieg der Kurzarbeit, sowie die wachsende Arbeitslosigkeit. Weil die Einkommen tendenziell sinken, versuchten derzeit mehr Menschen als sonst, sich am Fiskus vorbei etwas hinzuzuverdienen.

In anderen EU-Ländern sei die Lage nicht besser, schreibt Schneider weiter: In Österreich dürfte der Schattensektor von 5,8 auf 7,3 Prozent wachsen, in Frankreich von 12,4 auf fast 15,9 Prozent und in Italien gar von 18,7 auf knapp 22 Prozent.

In Schneiders Berechnungen fließen zahlreiche Faktoren ein - unter anderem die Höhe direkter und indirekter Steuern, die Bargeldmenge pro Kopf und die Dichte der Regulierung, mit der die Schwarzarbeit bekämpft wird. Auch die Zahl der Selbstständigen, der Zugang zur Bildung und die allgemeine Verfassung der Rechtsstaatlichkeit sind in dem Rechenmodell berücksichtigt.

Schwarzarbeiter sind nicht immer nur in ihren Heimatländern aktiv. Gerade in ärmeren EU-Ländern wie Rumänien oder Bulgarien gibt es viele Arbeitsmigranten, die in reicheren Mitgliedstaaten wie Dänemark, Deutschland oder den Niederlanden Tagelöhnerjobs übernehmen: Sie putzen dort Treppenhäuser, laden Container aus, zerlegen Fleisch, räumen im Hafen Container aus, reinigen Büros und Hotelzimmer, kümmern sich um Grünflächen und pflegen alte Menschen. Ohne sie wären viele Lebensmittel und Dienstleistungen wohl deutlich teurer.

Solche Arbeitsmigranten schuften bis zu zwölf Stunden pro Tag, bis zu sechs Tage die Woche, für fünf bis zehn Euro die Stunde, ohne Arbeitsschutz, Krankenversicherung oder gültige Verträge. Das Leben ohne Sicherheiten nehmen die meisten in Kauf. Denn unterm Strich verdienen sie in prekären Beschäftigungsverhältnissen meist noch immer mehr als in einem ordnungsgemäßen Job in der Heimat. Sofern sie dort überhaupt Arbeit finden.

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