Corona-Maßnahmen Ärztepräsident verlangt Strafen bei verweigertem Homeoffice

Nicht alle Betriebe, die es könnten, lassen ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert Strafgelder für ignorante Arbeitgeber.
Frank Ulrich Montgomery (Archiv): »Alles, was irgend geht, ins Homeoffice verlagern«

Frank Ulrich Montgomery (Archiv): »Alles, was irgend geht, ins Homeoffice verlagern«

Foto: Guido Kirchner / dpa

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat sich für Strafzahlungen für Unternehmen ausgesprochen, die sich in der Corona-Pandemie einer verstärkten Nutzung des Homeoffice verweigern.

»Wenn Betriebe zu Infektionsherden werden und dadurch gesellschaftliche Kosten entstehen, obwohl das durch mehr Homeoffice im Unternehmen vermeidbar wäre, dann sind auch Bußgelder für Firmen geboten«, sagte Montgomery der »Saarbrücker Zeitung«.

Dies dürfe »kein Tabu« sein, betonte Montgomery. Trotz Lockdown gebe es immer noch zu viele persönliche Kontakte und zu viel Mobilität. Für den beruflichen Bereich heiße das, »alles, was irgend geht, ins Homeoffice zu verlagern«.

Kontaktreduzierung auch »um den Preis der zeitweiligen Stilllegung einzelner Fertigungsbereiche«

Zudem müssten die Hygienekonzepte in den Unternehmen noch einmal auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. »Es nützt wenig, allein im Büro zu sitzen, aber mittags in der Kantine unter vielen Kollegen«, warnte der Verbandsvorsitzende. Außerdem halte er eine Kontaktreduzierung auch »um den Preis der zeitweiligen Stilllegung einzelner Fertigungsbereiche« für gerechtfertigt, wenn dies notwendig sei, um die Pandemie einzudämmen.

Die Bundesregierung hingegen will weiterhin auf Freiwilligkeit setzen. »Zwingende Regelungen stehen derzeit nicht auf der Tagesordnung«, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Statt auf Bußgelder setze die Regierung weiterhin auf Appelle.

»Der Anteil der Menschen, die von zu Hause gearbeitet haben, war im Frühjahr deutlich höher als jetzt«, sagte Seibert. Er hoffe, dass die Einsicht komme, dass sich Angestellte und Arbeitgeber wieder auf mehr Homeoffice verständigen müssten. Auch für die einzelnen Bundesministerien soll es demnach keine Homeoffice-Pflicht geben, das Daheimbleiben würde »mit gegenseitiger Rücksicht« verhandelt.

In der vergangenen Woche hatte Montgomery sich für eine Impfpflicht eingesetzt: »Für Pflegekräfte und medizinisches Personal ist eine berufsspezifische Impfpflicht gegen Corona sinnvoll«, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Wer Umgang mit vulnerablen Gruppen hat, muss immunisiert sein« – entweder durch eine überstandene Covid-19-Erkrankung oder durch eine Schutzimpfung. Auf Dauer aber brauche es eine allgemeine Impfpflicht. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, lehnte dies ab.

SPD-Fraktionsvize Bas: Über Homeoffice-Pflicht diskutieren

Bärbel Bas zeigte sich offen für die Anordnung einer Homeoffice-Pflicht für Bereiche, in denen dies umsetzbar ist. »Das Homeoffice muss jetzt, wo immer es geht, ermöglicht werden«, sagte die SPD-Fraktionsvizechefin. In anderen Ländern gebe es bereits eine Homeoffice-Pflicht, »darüber müssen wir diskutieren«, sagte sie weiter in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Samstag.

Generell sei es wichtig, »Kontakte weiter zu reduzieren, auch wenn es schwerfällt«, forderte Bas. Sie verwies auf die Gefahr der Ausbreitung von Virusmutationen und damit weiter steigender Infektionszahlen. »Die Zahl der Neuinfektionen und der Corona-bedingten Todesfälle ist weiter viel zu hoch«, sagte Bas und plädierte für zusätzliche Schutzmaßnahmen.

Strengere Regeln für Betriebe zum Schutz vor der Pandemie forderte in der »Passauer Neuen Presse« auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Auch in der Bevölkerung stoßen angesichts der Infektionslage klarere Homeoffice-Regeln auf Zustimmung. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Homeoffice-Pflicht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter mehr als 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den SPIEGEL hervor. Demnach sprechen sich 56 Prozent der Befragten für ein grundsätzliches Verbot der Arbeit im Büro aus, sofern Homeoffice möglich ist, 32 Prozent dagegen.

abl/AFP/dpa
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