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Coronakrise und Konjunkturpaket Wirtschaftsforscher Fuest warnt vor Stagflation

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung soll die Wirtschaft in Schwung bringen. Doch Ökonom Clemens Fuest warnt: In der Coronakrise könne das Paket sein Ziel verfehlen - und stattdessen die Inflation anheizen.
aus DER SPIEGEL 31/2020
Ifo-Chef Clemens Fuest

Ifo-Chef Clemens Fuest

Foto: Soeren Stache/ picture alliance / dpa

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, warnt davor, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung verpuffen könnte. Die staatlichen Milliarden, mit denen die Regierung die Wirtschaft ankurbeln will, könnten zur Stagflation führen. Dieses seltene ökonomische Phänomen ist gekennzeichnet durch gleichzeitig steigende Preise und Arbeitslosigkeit.

"Die Wirtschaft hat neben dem Einbruch der Nachfrage derzeit ein weiteres Problem", sagte Fuest dem SPIEGEL. "Die Coronakrise hat zur Folge, dass die Produktivität der Unternehmen sinkt." Als Gründe führt Fuest an, dass Lieferketten unterbrochen sind oder Kapazitäten brachliegen, weil etwa der Schichtrhythmus durch Hygienevorgaben durcheinandergeraten ist. Das hindert die Firmen daran, gewohntes Produktionsniveau zu erreichen. "Im Extremfall verfehlt der Nachfrageimpuls seine Wirkung", so Fuest. "Die Belebung der Produktion bleibt aus, stattdessen steigen nur die Preise. Das Phänomen heißt Stagflation."

DER SPIEGEL 31/2020

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Stagflation machte entwickelten westlichen Volkswirtschaften zuletzt Ende der Siebzigerjahre zu schaffen. Die Länder verzeichneten hohe Inflationsraten mit steigender Tendenz, gleichzeitig meldeten sich aber auch immer mehr Menschen arbeitslos. Diese Kombination widerspricht eigentlich gängigen Lehrbuchweisheiten.

Normalerweise steigen die Preise im Boom, wenn die Wirtschaft also am Rande ihrer Kapazitäten arbeitet und auch der Arbeitsmarkt leer gefegt ist. Dann kann zusätzliche Nachfrage nicht sofort bedient werden, stattdessen werden die gefragten Güter teurer.

Gleichzeitig steigende Preise und Arbeitslosigkeit stürzen auch die Notenbanken in ein Dilemma: Um den Preisauftrieb zu dämpfen, können sie sich gezwungen sehen, die Zinsen zu erhöhen, was die wirtschaftliche Krise verschärft. Lockern sie hingegen die Geldpolitik, um die Wirtschaft zu stimulieren, beschleunigen sie womöglich die Inflation.

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