Krisengewinner Konzerne streichen Milliarden Corona-Gewinne ein

Pfizer, Amazon und andere Konzerne verdienten laut einer Studie Hunderte Milliarden Euro an der Pandemie – auch durch staatliche Hilfen. Verlierer sind kleine Unternehmen. Sollte die Ampel eine Pandemie-Steuer erheben?
Amazon-Gründer Jeff Bezos kann sich in der Pandemie über glänzende Geschäfte freuen

Amazon-Gründer Jeff Bezos kann sich in der Pandemie über glänzende Geschäfte freuen

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MANJUNATH KIRAN/ AFP

Gastronomen, Einzelhändler und Konzertveranstalter fürchten die nächste Coronawelle – manche Großkonzerne aber dürfen auf glänzende Geschäfte hoffen. So war es schließlich schon in den ersten Phasen der Pandemie. Der Streamingdienst Netflix etwa hat im Krisenjahr 2020 weltweit rund 36 Millionen neue Abonnenten gewonnen. Der US-Pharmariese Pfizer fuhr mit seinem Coronaimpfstoff in den vergangenen zwölf Monaten Nettogewinne von fast neun Milliarden Dollar ein.

Wie sehr die Krisenprofiteure verdienen, haben jetzt Forscher der Prager Karls-Universität im Auftrag der Linksfraktion im EU-Parlament berechnet. Danach haben multinationale Konzerne im Coronajahr 2020 außerordentliche Gewinne von rund 360 Milliarden Euro eingefahren. US-Konzerne konnten Pandemieprofite in Höhe von rund hundert Milliarden Euro verbuchen, deutsche Großunternehmen gewannen 15, französische Multis 20 Milliarden Euro hinzu. »Infolge der Pandemie konnten Großunternehmen in einer Reihe von Sektoren ihre Gewinne steigern«, heißt es in der Studie.

»Es ist höchste Zeit, dass die Konzerne ihren Beitrag leisten«

Der größte Teil der Extraprofite wurde dabei in der Industrie (41 Prozent), in der Informationstechnik (21 Prozent) und im Finanzsektor (16 Prozent) gemeldet. Als Krisengewinner stuften die Forscher dabei 1763 internationale Unternehmen ein, bei denen die Gewinne im Jahr 2020 über ihrem langfristigen Wachstumstrend lagen. Während viele Multis zu den Profiteuren zählten, brachen die Gewinne kleiner US-Firmen allein im zweiten Quartal 2020 um 89 Prozent ein. Auch die Steuereinnahmen, so die Studie, seien »stark zurückgegangen«.

Die neuen Daten aus der Zwei-Klassen-Welt der Corona-Ökonomie lassen die Debatte über eine Zusatzsteuer für Pandemie-Profiteure neu aufflammen. Der Linkenabgeordnete Martin Schirdewan fordert die Berliner Ampelparteien auf, »eine Abgabe für Krisengewinner in der EU auf den Weg zu bringen«. Der Staat habe mit seinen Pandemiehilfen auch die Geschäfte der Profiteure unterstützt, sagt der Parlamentarier. »Es ist allerhöchste Zeit, dass diese Konzerne ihren Beitrag zur Krisenbewältigung tragen.«

»Es ist falsch, erfolgreiche Unternehmen zu bestrafen«

Viele Ökonomen sehen den Vorschlag dagegen kritisch. »Ich halte nichts davon, erfolgreiche Firmen zu bestrafen«, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. »Es ist zu begrüßen, wenn ein Unternehmen wie Biontech hohe Gewinne macht, die es wieder in die Forschung investieren kann.« Zudem würde eine Pandemiesteuer auch europäische Digitalunternehmen treffen, die gegenüber der US-Konkurrenz aufholen müssten.

Unbestritten ist, dass eine Steuer auf Pandemie-Gewinne den Staaten beträchtliche Einnahmen verschaffen könnte. Betrüge der Satz einer entsprechenden Abgabe zehn Prozent, könnten allein die EU-Staaten rund fünf Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich einnehmen, so die Studie. Würden die Extragewinne gar mit 30 Prozent besteuert, läge das Aufkommen bei rund 14 Milliarden Euro.

Absehbar ist auch, dass die Daten die politische Debatte im linken Lager befeuern werden. Nachdem sich zahlreiche Grünenpolitiker noch im Frühjahr für eine Pandemiesteuer starkgemacht hatten, will der Linkenabgeordnete Schirdewan sie nun beim Wort nehmen. Die Grünen müssten zeigen, ob sie »den Mut haben, sich mit den Vertretern des Big Business anzulegen«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurden die Gewinne deutscher Unternehmen mit fünf Milliarden Euro beziffert. Tatsächlich sind es 15 Milliarden Euro.

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