Corona-Rezession Britische Regierung geht von größtem Wirtschaftseinbruch seit 300 Jahren aus

Großbritannien streicht die Entwicklungshilfe zusammen, denn das Land braucht jeden Penny selbst: Laut Regierung schrumpft die Wirtschaft 2020 um 11,3 Prozent – das gab es seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr.
Britischer Finanzminister Rishi Sunak

Britischer Finanzminister Rishi Sunak

Foto: Martyn Wheatley / i-Images / imago images/i Images

Großbritannien wird in diesem Jahr den größten Wirtschaftseinbruch verzeichnen, den das Land in über drei Jahrhunderten erlebt hat, davon geht die britische Regierung inzwischen offiziell aus.

Der Wirtschaftsrückgang im Jahr 2020 werde 11,3 Prozent betragen, sagte der konservative Finanzminister Rishi Sunak am Mittwoch während einer Parlamentssitzung. »Unser Gesundheitsnotstand ist noch nicht vorbei und unser wirtschaftlicher Notstand hat gerade erst begonnen«, fügte er hinzu. Er kündigte zudem an, Hilfen für Entwicklungsländer zu kürzen.

Sunak prognostizierte zudem eine Erholung der britischen Wirtschaft von 5,5 Prozent im kommenden Jahr, sowie ein Wachstum von 6,6 Prozent im Jahr 2022. Demnach werde die britische Wirtschaft erst Ende des Jahres 2022 zum Vorkrisenniveau zurückkehren. »Unsere erste Priorität ist es nun, Menschenleben und Lebensgrundlagen zu schützen«, sagte Sunak weiter.

Die Wut der Hilfsorganisationen

Gleichzeitig teilte der Finanzminister mit, Entwicklungshilfen zu kürzen. Statt des bisherigen Anteils von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE), der gesetzlich verankert ist, werde Großbritannien nur noch 0,5 Prozent für Hilfen ausgeben. Im vergangenen Jahr hatte Großbritannien umgerechnet knapp 17 Milliarden Euro für Entwicklungshilfen ausgegeben.

Fünf ehemalige Premierminister des Landes sowie zahlreiche Hilfsorganisationen protestierten gegen die Ankündigung. David Cameron sprach etwa von einem »moralischen, strategischen und politischen Fehler«. Die beabsichtigten Kürzungen würden Kritikern zufolge Millionen Menschen auf der Welt betreffen und ihren Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung erschweren oder verhindern.

In der vergangenen Woche hatte Premierminister Boris Johnson das größte Investitionsprogramm in das britische Militär seit dem Ende des Kalten Krieges angekündigt. Umgerechnet 18,5 Milliarden Euro sollen demnach zusätzlich in die Verteidigung des Landes investiert werden.

beb/afp