Krieg und Pandemie IWF-Chefin Georgiewa warnt vor Spaltung der Weltwirtschaft

IFW-Chefin Kristalina Georgiewa sieht gefährliche Zeiten für die globale Wirtschaft anbrechen. Selbst ein Zerfall in geopolitische Blöcke sei nicht ausgeschlossen.
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sieht die Weltwirtschaft am Scheideweg

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sieht die Weltwirtschaft am Scheideweg

Foto: Metodi Popow / IMAGO

Die globale Wirtschaft aufgesplittet in geopolitische Lager, unfähig, globalen Problemen gemeinsam zu begegnen – vor einem solchen Szenario warnte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kristalina Georgiewa laut eines vorab verbreiteten Redemanuskripts zur gemeinsamen Frühjahrstagung von IWF und Weltbank, die nächste Woche in Washington beginnt. Infolge der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine drohten sich konkurrierende Systeme zu bilden mit unterschiedlichen Standards für Handel und Technologie, Bezahlsystem und Reservewährungen.

»Solch eine tektonische Verschiebung würde zu schmerzhaften Anpassungskosten führen«, warnte Georgiewa. Globale Lieferketten, Forschungs- und Produktionsnetzwerke würden auseinanderbrechen und müssten dann neu geschaffen werden. »Arme Länder und arme Menschen würden den Großteil dieser Verzerrung erleiden«, sagte sie. Die sich abzeichnende Fragmentierung sei »vielleicht die ernsthafteste Herausforderung für den auf Regeln basierenden Rahmen, der die internationalen und wirtschaftlichen Beziehungen seit mehr als 75 Jahren bestimmt hat«.

Es sei bereits jetzt schwierig, zusammenzuarbeiten und die gegenwärtigen Krisen gemeinsam zu bewältigen. Sollte es ein weiteres Auseinanderdriften geben, dürfte es noch schwerer werden, globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel gemeinsam zu begegnen, sagte die IWF-Chefin.

»In einer Welt, in der Krieg in Europa Hunger in Afrika verursacht, in der eine Pandemie innerhalb von Tagen den Globus umrunden kann und Jahre nachwirken kann, wo Emissionen irgendwo ansteigende Meere überall bedeuten, kann die Bedrohung einer Störung der globalen Kooperation für unseren kollektiven Wohlstand nicht übertrieben werden«, sagte Georgiewa dem Manuskript zufolge.

IWF sieht schwächeres Weltwirtschaftswachstum

Auch in Bezug auf das Wachstum der Weltwirtschaft beurteilt der Internationale Währungsfonds (IWF) die derzeitige Lage kritisch und korrigiert seine Prognose erneut nach unten. Für 143 Staaten, die zusammen 86 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren, werde die Wachstumsprognose in der kommenden Woche gesenkt, sagte Georgiewa. Als Gründe für das schwächer erwartete Wachstum führte sie den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, hohe Inflationsraten, schwierigere Bedingungen auf den Finanzmärkten und die häufigen und weitgehenden Corona-Lockdowns in China an.

Der IWF hatte seine globale Wachstumsprognose bereits im Januar infolge der Omikron-Welle der Coronapandemie um 0,5 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent gesenkt. Die neue Prognose soll am Dienstag im Rahmen der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington vorgestellt werden.

ktz/dpa
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