AOK-Auswertung Weniger Krankmeldungen während Coronakrise

Zwischen Mai und August haben sich weniger Menschen krankschreiben lassen als in den Vorjahren. Experten haben verschiedene Erklärungen dafür.
Seit der Coronakrise weniger gefragt: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Seit der Coronakrise weniger gefragt: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Während der Coronakrise haben sich nach Angaben der Krankenkasse AOK weniger Arbeitnehmer krankgemeldet als in den Vorjahren. Vor allem zwischen Mai und August sank die Zahl der Krankmeldungen teilweise deutlich, wie eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts (Wido) der Krankenkasse ergibt. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" darüber berichtet. Demnach lagen auch bei der Techniker Krankenkasse (TK) die Krankmeldungen auf einem "unterdurchschnittlichen Niveau".

Dem Wido zufolge betrug der Krankenstand im Mai 4,4 Prozent, nach 5,2 Prozent im Vorjahresmonat und 4,7 Prozent im Mai 2018. Im Juni meldeten sich dann 4,5 Prozent krank (2019: 4,8, 2018: 5,0 Prozent), im Juli 4,8 Prozent (2019: 5,0, 2018: 4,9 Prozent) und im August 4,4 Prozent (2018 und 2019 je 4,7 Prozent). Laut "WamS" deuten auch Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums auf diesen Trend hin. Einer monatlichen Stichprobe zufolge seien in den ersten neun Monaten 4,22 Prozent der Beschäftigten krankgeschrieben gewesen, das sei der niedrigste Neun-Monat-Wert seit 2017.

Die Zahl der Krankschreibungen ging laut Wido bei Männern wie bei Frauen teils deutlich zurück. So waren etwa im Mai 4,4 Prozent der männlichen Beschäftigten krankgeschrieben sowie 4,5 Prozent der weiblichen. Im Vorjahresmonat waren es noch 5,1 Prozent der Männer und 5,3 Prozent der Frauen.

Die Vorteile und Nachteile des Homeoffice

Der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, vermutet mehrere Gründe hinter dem Rückgang. "Zum einen dürften viele Beschäftigte Arztpraxen aus Angst vor Ansteckung meiden", sagte er. Zum anderen sei es wahrscheinlich, dass die Pandemie das Infektionsrisiko insgesamt eher absenke. Denn je mehr Menschen von zu Hause aus arbeiteten, desto geringer werde das Ansteckungsrisiko auf dem Arbeitsweg und im Büro.

Außerdem würden Arbeitnehmer bei leichten Erkrankungen wie einer Erkältung eher im Homeoffice bleiben und auf eine Krankschreibung verzichten: "Offensichtlich wurde die Empfehlung ernst genommen, auch bei leichten Erkältungssymptomen das Büro zu meiden." Dafür spreche laut Litsch auch, dass seit Mai deutlich weniger Atteste aufgrund "akuter Infektionen der oberen Atemwege" ausgestellt wurden.

"Dass Beschäftigte im Homeoffice generell weniger Fehltage aufweisen", sei bereits vor Ausbruch der Pandemie erkennbar gewesen, so Litsch. Er sieht aber die Gefahr, dass Heimarbeit die Tendenz fördere, trotz Erkrankung zu arbeiten. "Wer krank ist, sollte in jedem Fall beruflich pausieren. 'Halbkrank' gibt es nicht", sagte er.

löw/dpa
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