Aus Südamerika und Deutschland China meldet Virusfunde auf Fleischimporten

Chinesische Behörden haben auf tiefgekühltem Fleisch angeblich Spuren des Coronavirus gefunden. Hat der Erreger auf einer Schweinshaxe aus Bremen und Rind aus Brasilien überlebt – oder sucht Peking nur einen Sündenbock?
Kühlhaus in China (Archivbild)

Kühlhaus in China (Archivbild)

Foto: SEAN YONG/ REUTERS

Chinesische Behörden haben nach eigenen Angaben auf Rindfleischimporten aus Südamerika Spuren des Coronavirus gefunden. Auf zwei Tiefkühlpackungen eines argentinischen Importeurs seien die Spuren entdeckt worden, teilte der chinesische Zoll am Samstag mit und setzte die Einfuhren aus.

Am Vortag hatten Gesundheitsbehörden in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo die Corona-Pandemie Ende 2019 ihren Ursprung hatte, staatlichen Medien zufolge ebenfalls Spuren des Virus Sars-CoV-2 auf Rindfleischverpackungen aus Brasilien gefunden. Erst vor wenigen Tagen hatte China eine aus Deutschland importierte Schweinshaxe als Auslöser für einen neuen Corona-Fall ausgemacht.

Die taiwanesische Zeitung "United Daily News" schrieb am Samstag, die chinesische Seuchenkontrollbehörde habe mitgeteilt, dass Viren unter kalten Bedingungen und sogar im Gefrierzustand überleben könnten. Das Fleisch aus Brasilien war Mitte August in China eingetroffen und seitdem tiefgekühlt gelagert worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Seit dem ersten Entdecken von Virusspuren verfolgten und überprüften die Gesundheitsbehörden andere Packungen aus derselben Lieferung, hieß es.

Deutsches Ministerium reagiert skeptisch

Bei der gefrorenen Schweinshaxe aus Deutschland waren staatlichen Medien zufolge Virusspuren an der Verpackung entdeckt worden. Die Haxe war demnach aus Bremen in die ostchinesische Stadt Tianjin importiert und von dort weiter in die Stadt Dezhou gesendet worden sei. In Tianjin habe sich ein Arbeiter in einem Kühlhaus infiziert.

Experten gehen bislang davon aus, dass eine Weiterverbreitung des Coronavirus über Oberflächen wie Verpackungen eher unwahrscheinlich ist. Allerdings waren in der Vergangenheit immer wieder größere Ausbrüche der Krankheit in Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieben aufgetreten.

Ein Sprecher von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte sich skeptisch zu den Meldungen aus China: "Nach jetzigem Kenntnisstand ist also eine deutsche Schweinshaxe als Grund für einen Corona-Fall in China unwahrscheinlich." Er verwies auf Erkenntnisse des Bundesinstituts für Risikobewertung, wonach bislang keine Corona-Infektionen über den Verzehr von Fleisch oder den Kontakt mit Oberflächen bekannt seien. Auszuschließen sei ein solcher Übertragungsweg aber nicht.

beb/dpa
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