Mögliche Absage Coronavirus bedroht IWF-Frühjahrstagung

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus steht nun womöglich eines der wichtigsten Treffen der Weltfinanz-Community auf der Kippe. Nach SPIEGEL-Informationen könnte die IWF-Tagung ausfallen.
IWF in Washington: Die Sorge wächst, dass die USA wegen des Coronavirus eine Einreisesperre verhängen

IWF in Washington: Die Sorge wächst, dass die USA wegen des Coronavirus eine Einreisesperre verhängen

Foto: A2800 epa Matthew Cavanaugh/ dpa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt, seine Frühjahrstagung dieses Jahr wegen der Corona-Epidemie in ihrer gewohnten Form abzusagen. Nach Informationen des SPIEGEL berät jeden zweiten Tag ein Krisenstab der Washingtoner Organisation, um die aktuelle Situation mit Blick auf das Großtreffen, das traditionell im April in der amerikanischen Hauptstadt stattfindet, zu bewerten. Noch diese Woche soll eine Entscheidung fallen.

Der IWF überlegt, ob er eine Art Rumpftagung organisiert, die von den in Washington ansässigen Exekutivdirektoren durchgeführt wird. Sie sind die Vertreter von Ländern und Ländergruppen, die am IWF beteiligt sind. Sie würden ihre Anweisungen für nicht aufschiebbare Beschlüsse aus den Hauptstädten bekommen. Im großen Umfang soll Videokonferenztechnik zum Einsatz kommen. Mit diesem Vorgehen könnten größere Reiseaktivitäten vermieden werden.

Zu dem Treffen reisen alljährlich mehrere Tausend Delegierte, Wirtschaftsvertreter und Journalisten aus den fast 200 Mitgliedsländern nach Washington. Mit der IWF-Tagung steht auch das zeitgleich stattfindende Treffen der Weltbank auf der Kippe. Delegationsleiter für Deutschland wäre Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der für gewöhnlich mit umfangreicher Entourage zu den IWF-Tagungen kommt.

Fachkräfte sollen nach Hause beordert werden

Zudem will der IWF aus Angst vor dem Virus seine Fachleute, die für ihn weltweit unterwegs sind, nach Hause beordern. Dabei treibt ihn nicht nur die Sorge um die Gesundheit seiner Mitarbeiter um: Er fürchtet, dass sie nicht mehr nach Hause zurückkehren können, wenn die USA wegen der Epidemie eine Einreisesperre verhängen.

Darüber hinaus gilt bis auf Weiteres ein weitgehendes Reiseverbot für IWF-Mitarbeiter. Der Fonds entsendet nicht nur Experten für Wirtschaft und Finanzen in Krisenländer wie Griechenland oder Argentinien, wo er mit eigenen Programmen versucht, die Wirtschaft zu stabilisieren. Jedes Mitgliedsland bekommt auch alljährlich Besuch aus Washington.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die IWF-Fachleute begutachten im Rahmen dieser Missionen genannten Reisen den Zustand der jeweiligen Volkswirtschaft und beschreiben Reformbedarf. Zahlreiche Besuche vor Ort sind nun abgebrochen oder abgesagt. Fraglich ist, ob die Konsultationen durch Videoschalten ersetzt werden können.

Auf eine SPIEGEL-Anfrage verwies der IWF zunächst nur auf die Stellungnahme seines Sprechers vom vergangenen Donnerstag. Demnach legt der Fonds sein Hauptaugenmerk darauf, die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter, aber auch der Teilnehmer der Frühjahrstagung zu gewährleisten. "Wir prüfen verschiedene Optionen", sagte der Sprecher.

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