Displays, Chips, 5G Wie das Coronavirus die globale Tech-Branche trifft

Das Coronavirus wirkt sich massiv auf die Herstellung von IT-Produkten aus. Das zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung EY, die dem SPIEGEL vorliegt. Nur Handy-Spiele boomen - quarantänebedingt.
Halbleiterwerk von Samsung in der chinesischen Shaanxi-Provinz

Halbleiterwerk von Samsung in der chinesischen Shaanxi-Provinz

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imago images/ China Foto Press

Das Coronavirus hat erhebliche negative Auswirkungen auf die globale Tech- und IT-Industrie. Das geht aus einer Marktanalyse der Unternehmensberatung EY hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Das Papier listet zahlreiche Wirtschaftszweige auf, deren Produktions- und Lieferketten von den Sicherheits- und Quarantänemaßnahmen in China beeinträchtigt werden dürften.

Die Smartphone-Industrie etwa bekomme durch das Virus gleich mehrere Probleme, heißt es in der Studie. Hier dürfte es sowohl bei der Herstellung einzelner Komponenten als auch bei der Montage der Endgeräte zu Engpässen kommen.

Auch iPhone-Produktion betroffen

In den vom Virus betroffenen chinesischen Provinzen Henan, Anhui, Chongqing, Hunan und Zheijang sitzen demnach zahlreiche Hersteller von Touch-Displays und Sensoren. Auch die Montage von Apples iPhones sei beeinträchtigt, obwohl große Hersteller wie Foxconn oder Qanta ihre Produktion zunehmend nach Taiwan verlagerten. Innerhalb Chinas werde zudem ein Rückgang der Smartphone-Lieferungen in einem Volumen von 10 bis 50 Prozent erwartet.

Bei der Herstellung von PC-Komponenten wie Leiterplatten und Speicherchips sowie bei der Montage von Computern dürfte es ebenfalls zu Problemen kommen. In diesem Wirtschaftszweig sitzen manche Hersteller sogar direkt in der chinesischen Stadt Wuhan, die wegen des Coronavirus komplett abgeschirmt worden ist.

Auf dem globalen Markt für Computerchips wird durch das Virus eine Verlängerung der aktuellen Krise erwartet. Aufgrund sinkender Nachfrage sind die Preise in dieser Branche seit langem niedrig - was die Branche in ihre schlimmste Krise seit zehn Jahren gestürzt hat. Das Coronavirus dürfte nun zwar die Fertigung von Computerchips beeinträchtigen, die globale Nachfrage aber noch stärker, heißt es in der Analyse von EY. Das Preistief dürfte daher anhalten.

5G-Rollout könnte sich verzögern

Zeitpläne für den Rollout der chinesischen 5G-Technologie könnten sich ebenfalls verzögern. Grund hierfür sind laut EY-Analyse die strengen Quarantänebestimmungen in der Provinz Hubei, in der gleich mehrere große Hersteller sogenannter optischer Kommunikationsvorrichtungen sitzen, die für den neuen Standard nötig sind.

Die Branche der Smartphone-Spiele indes scheint vom Coronavirus zu profitieren - vor allem in China. Weil durch die Quarantänebestimmungen vermehrt Konsumenten zu Hause blieben, erlebe die Branche einen Boom, heißt es in der EY-Analyse. Auch Essensbestellungen übers Internet hätten stark zugelegt. Erste Firmen experimentierten bereits mit Wegen, um die Ware kontaktlos an womöglich infizierte Kunden zu übergeben.

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