Enthüllungen über Credit Suisse Geldwäschevorwurf bringt Schweiz in Bedrängnis

Die Großbank Credit Suisse soll in großem Stil Geschäfte mit dubiosen Kunden betrieben haben. Auch für die Schweiz könnte das Konsequenzen haben. Die EVP-Fraktion will die Finanzpraktiken genauer unter die Lupe nehmen.
Die Credit Suisse steht im Zentrum eines Geldwäscheskandals

Die Credit Suisse steht im Zentrum eines Geldwäscheskandals

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Nach Enthüllungen über die Geschäfte der Schweizer Großbank Credit Suisse fordert die größte Fraktion des Europäischen Parlaments eine Überprüfung der Bankpraktiken in der Schweiz. Das könnte eine Aufnahme des Landes in die schwarze Liste der EU von Ländern mit hohem Geldwäscherisiko nach sich ziehen.

»Wenn schweizerische Banken internationale Anti-Geldwäsche-Standards nicht sauber anwenden, wird die Schweiz selbst ein Hochrisikostaat«, teilte der CSU-Abgeordnete Markus Ferber mit. Das Bankengeheimnis dürfe nicht als Vorwand dienen, um Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu ermöglichen.

Die Europäische Kommission veröffentlicht in regelmäßigen Abständen eine Auflistung von Ländern mit höherem Risiko. Bei der nächsten Auswertung, so Ferber, müsse evaluiert werden, ob die Schweiz nicht auch auf die Liste aufgenommen werden müsse.

Autokraten und Kriminelle als Kunden

Wie Auswertungen geleakter Dokumente zeigen, soll die Schweizer Großbank Credit Suisse jahrelang gegen internationale Anti-Geldwäsche-Standards verstoßen und korrupte Autokraten und Kriminelle als Kunden akzeptiert haben.

Die »Süddeutsche Zeitung« wertete die Daten gemeinsam mit NDR, WDR und internationalen Medien wie »Le Monde« (Frankreich) und der »New York Times« (USA) im Rahmen des Crime and Corruption Reporting Projects (OCCRP) aus.

Mutmaßliche Kriegsverbrecher, Menschen- oder Drogenhändler hätten bei Credit Suisse Konten eröffnen oder behalten können, auch wenn die Bank Straftaten zumindest bereits vermuten musste, hieß es in den Berichten.

Die Bank wies die Anschuldigungen zurück. Die Berichte beruhten auf Daten, die »unvollständig, ungenau oder aus dem Zusammenhang gerissen sind, was zu einer tendenziösen Darstellung des Geschäftsverhaltens« der Bank führe, hieß es in einer Stellungnahme des Kreditinstituts. Zudem seien 90 Prozent der betroffenen Konten bereits geschlossen worden, »davon mehr als 60 Prozent vor 2015«.

Die Bank kündigte eine Untersuchung bezüglich des Datenlecks an. Der Aktienkurs gab um 2,2 Prozent nach.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, sagte nach der Enthüllung: »Banken dürfen kein sicherer Hort für schmutziges Geld von Autokraten, Kriegsverbrechern und Kriminellen sein.«

Sie kündigte zugleich politische Maßnahmen an: »Wir müssen den Informationsaustausch weiter verbessern und Geldwäsche konsequent bekämpfen. Auch bei uns in Deutschland gibt es noch viel zu tun, deshalb haben wir die Bekämpfung von Finanzkriminalität und Geldwäsche im Koalitionsvertrag ganz nach oben auf die Agenda gesetzt und werden sie personell und strukturell stärken.«

Die Vorwürfe kommen für die Credit Suisse mehr als ungelegen. Eine Reihe von Fehlschlägen und Affären haben das zweitgrößte Schweizer Geldhaus zum Sorgenkind Nummer eins der europäischen Bankbranche gemacht.

Die Liste der Skandale liest sich wie ein Kriminalroman: Wegen einer Beschattungsaffäre musste 2020 der Chef geben, eine Hedgefonds-Pleite und eine überteuerte Übernahme führten vergangenes Jahr zu einem Milliardenverlust, außerdem verlor der Verwaltungsratspräsident nach nur acht Monaten im Amt seinen Job wegen Verstößen gegen Quarantäneregeln.

Zudem steht die Traditionsbank vor Gericht wegen des Vorwurfs von Geldwäsche für einen bulgarischen Kokainhändler.

Aufseher nannten Geldwäsche als eines der Hauptrisiken

Inzwischen steht die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) wegen der neuen Vorwürfe gegen die Credit Suisse in Kontakt mit der Bank. Das bestätigte ein Sprecher der Finma.

Wie üblich äußere sich die Behörde aber nicht zu Medienberichten. Die Einhaltung der Bestimmungen zur Verhinderung von Geldwäscherei bilde seit Jahren einen Schwerpunkt der Aufsicht, hieß es.

In einem Risikomonitor von Ende 2019 schreibt die Finma, dass die Geldwäsche weiterhin zu den Hauptrisiken für die Beaufsichtigten und für den Finanzplatz Schweiz zähle. Sinkende Margen könnten Finanzinstitute dazu verleiten, riskante Geschäftsbeziehungen einzugehen.

Nach Erkenntnissen der Finma soll es wiederholt zu Rechtsverletzungen gekommen sein, etwa hätten Institutionen die »wirtschaftliche Plausibilität« von Transaktionen zu selten hinterfragt.

jlk/dpa/AFP/jos
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