D.Logistics Chef fliegt nach nur drei Wochen

Selbst für ein Nemax-Unternehmen war seine Amtszeit rekordverdächtig kurz: Nach nicht einmal einem Monat verlässt Ernst Gumrich die Chefetage von D.Logistics. Die Unternehmensgründer kehren zurück und bringen mit, was die krisengebeutelte Firma dringend braucht: frisches Kapital.


Hofheim - Letzte Woche schockierte das im Nemax 50 gelistete Logistik-Unternehmen mit einer Hiobsbotschaft: In einer Mitteilung war von einem "akuten Liquiditätsengpass" die Rede. Es handele sich dabei um eine Summe von "unter fünf Millionen Euro", so eine Sprecherin, Gespräche mit Banken liefen.

Bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates gab es nun gravierende personelle Konsequenzen: Gumrich, der erst Anfang Februar berufene Vorstandschef, wurde wieder entlassen. Außerdem rief der Aufsichtsrat am Montagabend Hans Kröger und Lucia Mathe von ihren Vorstandsposten ab.

"Der Kapitalvernichtung nicht zusehen"

Der vorige Vorstandsvorsitzende und Gründungsgesellschafter Detlef Hübner sei dagegen abermals mit der Führungsaufgabe betraut worden, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Auch der Gründungsgesellschafter Heinz Fey kehrt in die Führungsetage zurück. Die Altgesellschafter bringen rund fünf Millionen Euro ein, um dem Unternehmen einstweilen aus der Finanzklemme zu helfen. Den größten Teil des Geldes zahlt Hübner, der noch mit rund 40 Prozent am Unternehmen beteiligt ist.

Grund für den Umbau des Vorstandes seien "unterschiedliche Auffassungen über Zukunft und Wert der D.Logistics AG", teilte das Unternehmen mit. Eine Sprecherin wollte dies auf Nachfrage nicht genauer erläutern. Fakt sei aber, dass die Strategien des bisherigen Vorstands und die von Hübner so verschieden gewesen seien, dass ein Mittelweg nicht zu finden gewesen sei. Dies sei Hübner, der D.Logistics in über zwanzig Jahren aufgebaut habe, bereits nach sehr kurzer Zeit klar geworden. Angesichts der Existenznot des Unternehmens habe er der Kapitalvernichtung nicht einfach zusehen können.

"Ich kann nur sagen: Finger weg"

Der finanzielle Engpass hat sich nach Unternehmensangaben ergeben, weil defizitäre Beteiligungen mit Verlust verkauft worden seien. Bereits zuvor hatte das Unternehmen die Börsianer mit unerwartet schlechten Zahlen für das abgelaufene Jahr 2001 überrascht. Bis zum dritten Quartal hatte das Unternehmen noch Gewinne ausgewiesen. In den vergangenen Tagen war die Aktie um rund 70 Prozent abgerutscht. Auch Meldungen über Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften am Frankfurter Flughafen drückten den Aktienwert. Der Substanzwert von D.Logistics liege bei rund fünfzehn Euro je Aktie, versuchte das Unternehmen zu beruhigen. An der Börse lag der Kurs aber in den letzten Tagen unter zwei Euro.

Nachdem die Entlassungen im Vorstand bekannt wurden, legten die Aktien am Dienstag bis 11.40 um zunächst 38,5 Prozent auf 2,66 Euro zu. Zugleich gewann der Nemax 50 zwei Prozent und notierte bei 1014 Punkten. Händler warnten davor, vorschnell auf eine Wende bei D.Logistics zu spekulieren: "Ich kann das nicht bewerten, ich kann nur sagen: Finger weg", warnte ein Trader. Ein Analyst betonte: "Es ist schon merkwürdig einen Vorstand zu holen und dann ein paar Tage später wieder rauszuwerfen." Eigentlich müsse man eine etwas tiefer gehende Erklärung erwarten.



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