Dämpfer Konjunktur stagnierte im vierten Quartal

Der Weihnachtsboom ist ausgefallen. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres trat die deutsche Wirtschaft überraschend auf der Stelle. Vor allem der maue Binnenkonsum bremste die Konjunktur aus.


Wiesbaden - Das bereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei in den drei Monaten zum Vorquartal unverändert geblieben, teilte das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mit. Damit hat die ohnehin schwache Konjunktur im vergangenen Jahr weiter an Fahrt verloren.

Hamburger Hafen: "Das vierte Quartal ist nicht sehr schön gewesen ist"
DDP

Hamburger Hafen: "Das vierte Quartal ist nicht sehr schön gewesen ist"

Im vierten Quartal 2005 kamen die positiven Wachstumsimpulse demnach ausschließlich von den Investitionen, insbesondere in Bauten. Sie wurden jedoch vor allem vom Rückgang der privaten und staatlichen Konsumausgaben kompensiert.

Im Vorjahresvergleich nahm das BIP im vierten Quartal 2005 mit einem Prozent etwas weniger stark zu als im dritten Quartal (plus 1,4 Prozent). Allerdings stand im Berichtsquartal gut ein Arbeitstag weniger zur Verfügung als ein Jahr zuvor, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Bereinigt um diesen negativen Kalendereffekt wuchs die Wirtschaft um 1,6 Prozent. Im Vergleich mit dem vierten Quartal 2004 war vor allem der sehr dynamische Außenhandel für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft den Angaben zufolge im vergangenen Quartal real um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Damit bestätigten sich erste Schätzungen. Im Vorjahr hatte die Wirtschaft noch um 1,6 Prozent zugelegt.

Volkswirte gaben sich angesichts der Zahlen zurückhaltend, warnten aber vor übertriebenem Pessimismus. "Das vierte Quartal ist nicht sehr schön gewesen ist, damit musste man nach der Jahresschätzung aber rechnen. Im vergangenen Jahr hatten wir noch keine durchgreifende, nachhaltige konjunkturelle Erholung, der Wachstumspfad ist weiterhin sehr unstet", sagte Jörg Lüschow von der WestLB der Nachrichtenagentur Reuters.

"Die Interpretation wird sein, dass das Wachstum pausiert hat. Alle Indikatoren, die uns vorliegen, deuten schon auf eine Beschleunigung im ersten Quartal hin. Das Enttäuschungspotential hatte sich schon in den letzten Monatsdaten angedeutet", erklärte Rainer Guntermann von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein. Ähnlich sieht es Ralph Solveen von der Commerzbank: "Das heißt nicht, dass die konjunkturelle Aufwärtsbewegung zum Stillstand gekommen ist - das nächste Quartal wird besser sein. Es zeigt aber, dass die Erwartungen an das Tempo des Aufschwungs zu hoch waren."

suc/Reuters/AP/dpa-AFX



insgesamt 998 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Steffen Kahnt 11.08.2005
1.
Auswandern !
Bernd Klehn 11.08.2005
2.
Kein Wunder, dieses ist zwangsläufig das Ergebnis, wenn 400 Milliarden jährlich als Arbeitsstrafabgabe von den untern und mittelen Einkommen eintrieben werden, anstatt sie wettbewerbsneutral als Binnenmarktabgabe (=Mehrwertsteuer, trifft ausländische und inländische Produkte gleichermaßen und fällt bein Export nicht an) zu erheben.
Krischi, 11.08.2005
3.
---Zitat von sysop--- Was sollten wir gegen das schlechte und wirtschaftsfeindliche Image tun? ---Zitatende--- Frau Kuenast von den Grünen fragen - die hat doch immer tolle Ideen und ist eine anerkannte "Wirtschaftsexpertin"!
Randolf Butzbach, 11.08.2005
4. Wie denn?! Mit dem halben Geld?!
Wo soll denn die Binnennachfrage herkommen? Jeder weiß es (auch die Leute vom Statistischen Bundesamt, wenn man sie privat fragt), aber keiner spricht öffentlich darüber: Mit der Einführung des Euro haben zahlreiche Dienstleister und Händler im günstigsten Fall die Preise 1:1 umgerechnet. Teilweise sind Aufschläge von 300% zu beobachten. Dies betrifft insbesondere die Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Auto, Friseur, etc. Faktisch kommt das somit einer Einkommenshalbierung gleich: Wenn ich aber (faktisch) nur noch halb soviel Geld zum Ausgeben habe -- womit soll ich dann den Konsum und damit die Kojunktur und Binnennachfrage ankurbeln? Da nützt es auch nichts, dass die Digitalkameras jetzt nur noch die Hälfte gegenüber von vor drei Jahren kosten (wie das Statistisch Bundesamt mit einberechnet) -- ich kaufe nur so selten eine Digitalkamera. Und wenn, dann kommt die auch noch aus Mangel an deutschen Alternativen aus Fernost -- bringt der Deutschen Wirtschaft also auch nichts.
DFault, 11.08.2005
5.
Wirtschaftsfeindlich?! Ich glaube noch nie zuvor ging es der heimischen Wirtschaft besser. Eine kleine Drohung an die Politik (z.B. Standortschließungen) ist ausreichend um gewisse Steuervorteile zu erlangen (siehe Gewerbesteuer). Aus gleichem Grund verzichten Arbeiter und Angestelle auf Lohnerhöhungen und sind mit Arbeitsplatzgarantien zufrieden. Und das obwohl immer dickere Gewinne eingefahren werden. Ich behaupte unserer Wirtschaft geht es nicht schlecht. Ein großer Teil der schlechten Stimmung ist m.E. von der Wirtschaft so gewollt (gar fociert?). Die schlechte Binnennachfrage kann man -und da gebe ich meinem Vorredner recht- nur durch massive Steuererleichterungen ankurbeln. Habe ich mehr Geld in der Tasche, kann ich auch mehr ausgeben. Oder frei nach dem Motto: Greif' mal einem nackten Mann in die Tasch'! Die MwSt zu erhöhen ist nur dann der richtige Weg, wenn gleichzeitig die "Arbeitsstrafabgaben" zurückgefahren werden. Es ist richtig, dass eine MwSterhöhung aus- und inländische Produkte gleichermaßen trifft, viel wichtiger ist jedoch, dass es arme und reiche Bürger gleichermaßen trifft. Es entstünde also keine Benachteiligung/Bevorzugung. Vielleicht sollte man Frau Künast wirklich fragen...immerhin scheint rot-grün ansatzweise ein Konzept zu haben. Wie ich hörte, möchte die Union im Wahlkampf stärker auf die Fehler und Versäumnisse der rot-grünen Regierung eingehen. Na klar, das lenkt dann ja auch von der eigenen Konzeptlosigkeit ab und man braucht keine verbindlichen Aussagen treffen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.