Daimler-Hauptversammlung Zetsche legt Gehalt offen

Sein Vorgänger Jürgen Schrempp hütete sein Gehalt wie ein Staatsgeheimnis. Der neue Chef des fünftgrößten Autokonzerns der Welt hat keine Angst vor Transparenz:  Auf der heutigen Hauptversammlung von DaimlerChrysler nannte Dieter Zetsche sein Salär - und versprach den Aktionären höhere Gewinne.


Berlin - Bislang hat DaimlerChrysler das Gehalt des Vorstandschefs stets verschwiegen. Bei der heutigen Hauptversammlung in Berlin brach der neue Konzernlenker Dieter Zetsche mit dieser Tradition. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper erklärte vor den Anteilseignern, Zetsche verdiene ein Grundgehalt von 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Bonus in Höhe von 150 Prozent auf das Salär bei erreichen der Konzernziele. Hinzu kämen 59.563 sogenannte virtuelle Aktien, sagte Kopper weiter. Deren Auszahlung erfolge abhängig vom Erfolg aber erst 2010 zum dann aktuellen Aktienkurs.

Damit läge die Vergütung bei 3,75 Millionen Euro. Die Regelung gelte aber erst ab 2007. Im laufenden Jahr liegt das Gehalt demnach bei 2,25 Millionen Euro.

Daimler-Chef Zetsche: 1,5 Millionen Euro Grundgehalt
REUTERS

Daimler-Chef Zetsche: 1,5 Millionen Euro Grundgehalt

Zetsche tritt heute erstmals in seiner neuen Funktion als Vorstandsvorsitzender vor die Aktionäre des Stuttgarter Autokonzerns. Auf der Hauptversammlung will er den Anteilseignern die neue Strategie der Rückbesinnung auf das Autogeschäft und der Verschlankung der Strukturen erläutern. Zetsche will bis 2008 mindestens 14.500 Stellen beim weltweit fünftgrößten Hersteller abbauen und die Produktionskosten senken sowie die Zusammenarbeit mit Chrysler intensivieren.

Bereits im laufenden Jahr werde eine verbesserte Ertragslage erwartet, in den Folgejahren solle der Betriebsgewinn kontinuierlich weiter steigen, sagte Zetsche laut Redemanuskript. Der Konzernlenker bestätigte damit frühere Prognosen.

Konkrete Zahlen nannte der Vorstandschef jedoch weiterhin nicht. "Wir haben uns dabei anspruchsvolle, aber realistische Ziele gesetzt, die wir in einem überschaubaren Zeitrahmen erreichen wollen", sagte er. Einen detaillierten Ergebnisausblick für das laufende Jahr werde das Unternehmen mit Bekanntgabe des Quartalsabschlusses am 27. April vorlegen. Im vergangenen Jahr hatte DaimlerChrysler einen Umsatz von 149,8 Milliarden Euro nach 142 Milliarden Euro im Vorjahr verbucht. Der operative Gewinn lag bei 5,2 Milliarden Euro, zuvor waren es 5,8 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg von 2,5 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro.

Das Wirtschaftsmagazin "Capital" hatte berichtet, der Konzern wolle den Gewinn in den kommenden Jahren parallel zum laufenden Arbeitsplatzabbau kontinuierlich steigern. Bis 2008 rechne das Unternehmen damit, dass der Betriebsgewinn von 5,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 9,4 Milliarden Euro steige. Der Jahresüberschuss solle sich von 2,8 Milliarden auf mehr als 5,5 Milliarden Euro verbessern.

Aktionäre kritisieren Smart

Ein Thema bei dem Treffen dürfte die Kleinwagenschmiede Smart sein. Die im Vorjahr von den Aktionären heftig gerügten Milliardenverluste bei der Tochter sollen nach Zetsches Willen bereits 2007 der Vergangenheit angehören. Smart stellt den Bau des Viersitzers Forfour ein und konzentriert sich auf die ursprüngliche Idee eines zweisitzigen Autos. Dennoch verlangt ein Aktionär die Bestellung von Sonderprüfern, weil er bei Smart eine Verletzung der Sorgfaltspflicht seitens des Konzerns sieht.

Bei dem Aktionärstreffen kandidiert zudem der langjährige DaimlerChrysler-Topmanager Manfred Bischoff für den Aufsichtsrat. Es wird erwartet, dass er spätestens 2007 die Nachfolge von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper antritt. Mehrere Kleinaktionäre fordern von Kopper den sofortigen Rücktritt. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Verstoßes gegen die Insidervorschriften ihm Zusammenhang mit der Rücktrittsankündigung des Zetsche-Vorgängers Jürgen Schrempp im Juli 2005 von der Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt.

Ebenfalls von Interesse sind Zetsches weitere Pläne für die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. DaimlerChrysler wolle mit mindestens 15 Prozent der Anteile ein "wesentlicher Anteilseigner" bleiben, gab der Autohersteller vor Beginn der Hauptversammlung bekannt. "Sollten wir uns letztlich zu einer solchen Reduzierung auf 15 Prozent entschließen, streben wir an, die Balance zwischen französischen und deutschen Anteilseignern weiterhin aufrechtzuerhalten", hieß es weiter.

Derzeit hält DaimlerChrysler noch rund 30 Prozent der EADS-Anteile und will diese zunächst auf 22,5 Prozent reduzieren. Mit dem erwarteten Gewinn aus dem Verkauf in Höhe von rund einer Milliarde Euro kann DaimlerChrysler im kommenden Jahr sein Konzernergebnis deutlich aufbessern.

suc/ddp/Reuters/Dow Jones Newswires/dpa-AFX


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