Daimler-Tochter Smart Immer Ärger mit dem Forfour

Mit dem Viersitzer seiner Tochter Smart wird DaimlerChrysler wohl auf absehbare Zeit kein Geld verdienen können: Die Produktionsziele liegen deutlich unter dem nötigen Wert, wie neue Berechnungen zeigen.


Smart Forfour: Bescheidene Planungen

Smart Forfour: Bescheidene Planungen

Stuttgart - Um mit dem Forfour die Gewinnschwelle zu erreichen, müssten pro Jahr 90.000 dieser Wagen verkauft werden - das hat der verantwortliche Konzernvorstand Eckhard Cordes bereits vor Monaten bekannt gegeben. Wie sich jetzt allerdings aus den Planungen des Partners Mitsubishi Motors ableiten lässt, hat DaimlerChrysler in den nächsten zwei Jahren aber nur rund 40.000 Einheiten in Auftrag gegeben.

Der Forfour wurde gemeinsam mit dem japanischen Autohersteller entwickelt und teilt sich die Plattform mit dessen Kleinwagen Colt. Beide Fahrzeuge laufen im niederländischen NedCar-Werk von Mitsubishi vom Band. Mittlerweile wurden dort die Produktionsziele drastisch gesenkt: Anstatt insgesamt 210.000 Wagen im laufenden Jahr wie ursprünglich veranschlagt sind nun nur noch 115.000 Fahrzeuge geplant. 2006 sollen es 130.000 Einheiten sein.

Eine Aufteilung auf beide Fahrzeugmodelle wollte eine Sprecherin von NedCar auf Anfrage zwar nicht nennen, doch anhand der Vertriebsplanung lässt sie sich errechnen. So plant die europäische Verkaufsorganisation von Mitsubishi 2005 einen Absatz von 75.000 und im Folgejahr einen Absatz von 90.000 Colt. Allesamt werden sie von NedCar hergestellt. Eine vereinfachte Rechnung - Absatz und Fertigung müssen nicht immer deckungsgleich sein - ergäbe damit für den viersitzigen smart eine Produktion von jährlich 40.000 Fahrzeugen.

Daimler und Smart äußern sich nicht

Marktanalyst Christoph Stürmer von Global Insight gibt sich etwas optimistischer: Er veranschlagt die Produktion des Smart für 2005/2006 auf 61.000 beziehungsweise 66.000 Einheiten. Weder DaimlerChrysler noch Smart wollen sich zu diesem Thema gegenwärtig äußern.

Schon bei der Ankündigung der Smart-Neuausrichtung hatten Autoexperten und Analysten bezweifelt, dass sich der Forfour jemals rechnen wird. Cordes hatte zwar niedrige Margen bei dem Modell eingeräumt, aber zugleich betont, dass die Fixkosten wegen der Kooperation mit Mitsubishi auch gering seien.

Der neue Geschäftsplan sieht die vollständige Integration von smart in die Mercedes-Organisation und den Wegfall von rund 700 Stellen vor. Cordes will damit das Ergebnis von Smart um 600 Millionen Euro verbessern und bis 2007 die Gewinnschwelle erreichen. Eine völlige Schließung von Smart wäre nach Ansicht des Managers aus Kostengründen nicht sinnvoll gewesen.

Um den Absatz anzukurbeln, rückte Smart im Februar sogar von der einstige Premiumstrategie ab und brachte für 11.590 Euro eine um 1000 Euro günstigere Einstiegsvariante auf den Markt. Diese ist mit einem kleineren Motor ausgestattet, und das zuvor serienmäßige Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), mit dem DaimlerChrysler stets den Premiumanspruch in diesem Fahrzeugsegment begründet hatte, entfiel.

Matthias Krust, ddp.vwd



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