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02. April 2008, 12:43 Uhr

Daimler

Zetsche plant Befreiungsschlag bei Kleinwagen

Von Dietmar Krepper

Fahrplan aus der Kostenfalle: Die Pläne bei Daimler, das Kleinwagensegment profitabel zu machen, sind nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen weiter gediehen als bekannt. Die Technik für die neue A- und B-Klasse soll auch zu anderen Konzernmodellen passen - und Konzernchef Dieter Zetsche hat noch mehr vor.

Stuttgart – Dieter Zetsche will den Konzern mit einem Befreiungsschlag wieder in die Offensive bringen, wie SPIEGEL ONLINE von Unternehmensinsidern erfuhr. Diese neue Technik für A- und B-Klasse schafft auch die Voraussetzung für die Kooperation mit anderen Herstellern. Die kostengünstigere Produktion soll Absatzzahlen und Rendite steigern. Außerdem mindern mehr Kleinwagen in der Produktpalette insgesamt die CO2-Belastung.

Daimler-Chef Dieter Zetsche: Verhandlungen mit BMW, Peugeot und Fiat
AP

Daimler-Chef Dieter Zetsche: Verhandlungen mit BMW, Peugeot und Fiat

Ein Chefentwickler bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass für die neue Generation der A- und B-Klasse ein Motor gebaut wird, der auch in andere Mercedes-Modelle passt.

Beim derzeitigen Kompakt-Mercedes hatten sich noch die Ingenieure durchgesetzt. Mit nach vorne geneigtem Frontmotor und Getriebe darunter bauten sie Exklusivtechnik. Dank doppeltem Boden und viel Innenraum brachte die ein Super-Crashverhalten - aber bei einer Jahresstückzahl von knapp 300.000 Fahrzeugen war sie immens teuer. Die Konkurrenten im Kleinwagensegment können ihre Entwicklungskosten dagegen auf Millionenstückzahlen verteilen.

Neue Kleinwagen-Varianten aus Osteuropa

Die neue Generation der A- und B-Klasse startet dagegen mit einem von Mercedes entwickelten, senkrecht stehendem Motor, der quer und längs eingebaut werden kann. Er taugt so auch für die C-Klasse. Starttermin ist 2011 - und zwar mit leistungsstarken Benzinmotoren und dem neu entwickelten 2,2-Liter Diesel, der schon in der Mercedes-Geländewagenstudie GLK präsentiert wurde. Dieser Selbstzünder wird die VW-Dieselmotoren aus den Dodge-Modellen von Chrysler verdrängen – ein entwicklungstechnisches Überbleibsel aus den Zeiten der Daimler-Chrysler-Verbindung.

Parallel dazu erwägen die Schwaben, bei den preissensiblen billigeren Einstiegsmodellen der neuen A- und B-Klasse mit Wettbewerbern zusammenzuarbeiten. Wie der Konzern bestätigt, laufen Verhandlungen mit BMW, Peugeot und Fiat über die gemeinsame Entwicklung oder den Zukauf von Motoren, Getriebe und Lenkungen, um so große, kostengünstige Stückzahlen zu erreichen.

Zusätzliche Einspareffekte will Daimler-Boss Dieter Zetsche mit weiteren Varianten der A- und B-Klasse erreichen, darunter mit einem Sport-Coupé und einem kleinen Geländewagen mit dem Kürzel BLK.

Neue Jobs dürften in Deutschland dadurch wohl nicht entstehen. Für die neuen Familienmitglieder der Daimler-Kleinwagen-Familie soll in Osteuropa ein neues Werk entstehen, in dem laut Zetsche mindestens 100.000 Fahrzeuge produziert werden sollen. Damit scheint klar, dass im Kleinwagen-Stammwerk im badischen Rastatt bis auf weiteres keine Erweiterung ansteht.

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