DaimlerChrysler Schrempps abrupter Abschied

Ein rühmlicher Abschied sieht anders aus: DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp verlässt den Autokonzern - und zwar noch in diesem Jahr, ohne Abfindung und ohne anschließendes Aufsichtsratsmandat. Nachfolger wird sein Kontrahent, der bisherige Chrysler-Chef Dieter Zetsche.

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DaimlerChrysler-Chef Schrempp: Rücktrittsnachricht lässt Aktienkurs steigen
DDP

DaimlerChrysler-Chef Schrempp: Rücktrittsnachricht lässt Aktienkurs steigen

Stuttgart - Aufsichtsratschef Hilmar Kopper betonte in einer Mitteilung des Aufsichtsrats, dass der Beschluss einstimmig gefasst worden sei. "Der Aufsichtsrat und Prof. Schrempp sind sich einig, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist." Die Konzentration des Konzerns auf das globale Autogeschäft sei abgeschlossen und die Strategie klar definiert.

Schrempp selbst lobte in einem eigens an die Chefredakteure der wichtigsten Zeitungen versandten Schreiben die Diskretion, mit der die Entscheidung vorbereitet worden sei. Eine "schöne und wertvolle Zeit" sei nun zu Ende.

Doch allen Schönredens zum Trotz: Der Rücktritt bedeutet für Schrempp eine herbe Niederlage. Gleich mehrere Mitglieder des Aufsichtsrats hatten ihm nahe gelegt, seinen Posten aufzugeben. In den letzten Monaten war die Kritik aus den Reihen des Gremiums gewachsen, weil insbesondere die Mercedes Car Group - bislang immer die tragende Säule des Konzerns - immer tiefer in die Krise geraten war.

Die Entwicklung ist auch an den heute präsentierten Zahlen abzulesen. Die Mercedes Car Group (Mercedes-Benz, smart, Maybach) schaffte zwischen April und Juni nach einem schlechten ersten Quartal nur knapp den Sprung in die schwarzen Zahlen. Der Gewinn betrug lediglich 12 Millionen Euro. Die wichtigste Konzernsparte hatte im ersten Quartal noch fast eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Nach Konzernangaben sind die hohen Sanierungskosten für die defizitäre Kleinwagenmarke Smart der wesentliche Grund für das schlechte Ergebnis.

Aber auch Mercedes selbst bereitet dem Konzern Sorgen. Wegen der schlechten Kostenstruktur müsste nach Einschätzung von Experten dringend Personal abgebaut werden. Das aber ist wegen der im vergangenen Jahr ausgehandelten Job-Garantie für die Beschäftigten nicht ohne teure Abfindungen möglich. Ein Ende der Durststrecke ist also vorerst nicht in Sicht.

Die Nachricht rüttelte auch die Anleger auf. Bereits kurz nachdem die ersten Gerüchte um den Rücktritt Schrempps bekannt geworden waren, setzte die DaimlerChrysler-Aktie Chart zeigen zum Höhenflug an. Gegen 10 Uhr waren sie bereits um mehr als sechs Prozent gestiegen.

Auch die Nachfolge-Regelung kommt einem Nackenschlag für Schrempp gleich. Denn dieser hatte in den vergangenen Monaten Eckart Cordes favorisiert. Sein designierter Nachfolger Dieter Zetsche war dagegen in Ungnade gefallen, weil er allzu deutliche Kritik wegen des Engagements beim japanischen Autobauer Mitsubishi geäußert hatte. Schrempp musste sich damals dem Druck aus den Reihen des Vorstands beugen und den Ausstieg bei Mitsubishi verkünden. Zetsches Nachfolger bei Chrysler soll der 51-Jährige Thomas LaSorda werden.

Schrempps Vertrag läuft noch bis April 2008. Jetzt verlässt er den Konzern ohne Abfindung, auf die er freiwillig verzichtet hat, wie betont wird. Auch einen Sitz im Aufsichtsrat steht für ihn nicht mehr zur Debatte.



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