DaimlerChrysler-Vorstand Ami goes home

Bei der selbst ernannten Welt AG DaimlerChrysler, offiziell ein deutsch-amerikanischer Konzern, sitzt künftig nur noch ein Amerikaner im Vorstand. Auch drei altbekannte deutsche Manager gehen in Rente.


Daimler-Zentrale in Stuttgart: Vom Anspruch her global, beim Führungspersonal ganz alte Welt
DPA

Daimler-Zentrale in Stuttgart: Vom Anspruch her global, beim Führungspersonal ganz alte Welt

Stuttgart/Auburn Hills - Der Konzernvorstand wird kleiner, das Durchschnittalter sinkt - und das internationale Profil schwindet. So lässt sich die jüngste, allseits erwartete und am Freitag bekannt gegebene Vorstandsreform zusammenfassen, die Vorstandschef Jürgen Schrempp durchgesetzt hat.

Demnach verlassen die bisherigen Vorstände Manfred Bischoff, Klaus Mangold und Gary Valade die Spitze des Konzerns. Nach offizieller Sprachregelung stehen sie dem Unternehmen aber weiterhin beratend zur Verfügung. Der Vorstand umfasst künftig statt 13 Mitgliedern elf - darunter nur noch einen Amerikaner, den 53-jährigen Thomas Sidlik.

Daimler-Kreise beeilen sich zu betonen, die Entamerikanisierung dürfe nicht fehlinterpretiert werden. Schrempp habe bereits klar gemacht, dass durchaus "irgendwann wieder" ein Amerikaner an der Spitze der Chrysler-Sparte stehen könne. Im Übrigen gebe es zahlreiche Aufstiegschancen für US-Manager. In den USA ist derweil weiter eine Milliardenklage des früheren Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian anhängig, der Schrempp vorwirft, die Chrysler-Übernahme in bewusster Irreführung als Fusion unter Gleichen verkauft zu haben.

Der Umbau des Vorstandes, der schon länger angekündigt war, blieb insgesamt ohne große Überraschungen. Im Zentrum der Macht bleiben neben Schrempp auch Mercedes-Chef Jürgen Hubbert - beide amtieren bis 2005 - Chrysler-Chef Dieter Zetsche und Nutzfahrzeug-Vorstand Eckard Cordes.

Die jüngeren Hoffnungsträger wie Wolfgang Bernhardt (42 Jahre alt, Chrysler) und Rüdiger Grube (51 Jahre, Konzernentwicklung) sollen für eine Mischung von jüngeren und älteren Vorständen sorgen. Hinzu kommen der zu Jahresanfang bestellte Forschungschef Thomas Weber (48 Jahre) und Service-Chef Bodo Uebber, der für drei Jahre berufen wurde.

Der Vertrag des 61-jährigen Manfred Gentz (Finanzen und Controlling) ist dagegen nur um ein weiteres Jahr verlängert worden. "Damit folgt der Aufsichtsrat der bei DaimlerChrysler festgelegten Regelung, dass ab dem 60. Lebensjahr Vertragsverlängerungen jeweils nur noch um ein Jahr vorgenommen werden", hieß es in einer Mitteilung. Rüdiger Grube, verantwortlich für Konzernentwicklung, soll ab Ende 2003 zusätzlich die Verantwortung für die Beteiligung an Mitsubishi übernehmen.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.