DaimlerChrysler Zahlreiche Aktionäre wollen Smart loswerden

Der Druck auf DaimlerChrysler, Smart zu verkaufen, wird zunehmend stärker. Neben dem wichtigsten Einzelaktionär Kuweit fordern nun noch weitere große Anteilseigner von Konzernchef Zetsche, die krisengeschüttelte Kleinwagensparte endlich loszuwerden.


London - "Meiner Einschätzung nach sollte Smart verkauft werden. Aber ich denke, DaimlerChrysler weiß das", sagte Union Investment-Managerin Pia Hellbach der "Financial Times". Seit 18 Monate führe sie Gespräche mit dem Autobauer über dieses Thema. Karl Huber, Manager beim Anleger Activest, erklärte dem Blatt zum Thema Smart-Produktion: "Sie müssen sie schließen oder verkaufen. Wenn es irgendeine Möglichkeit zum Verkauf gibt, wäre das großartig."

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Am deutlichsten machte Dubai International, DaimlerChryslers viertwichtigster Aktionär, seine Abneigung gegen Smart: "Wir mögen ihn nicht, sie mögen ihn nicht", erklärte CEO Sameer al Ansari dem TV-Sender Bloomberg. Deshalb müsse Smart abgestoßen werden. Stephan Thomas, Fonds-Manager bei Frankfurt Trust - ebenfalls einer der Top-Ten-Anleger des Konzerns - sagte, ihm wäre ein Kooperation von Smart mit einem anderen, ähnlichen Autobauer am liebsten. Aber, so fügte er hinzu: "Alle Lösungen würden dem Aktienkurs helfen."

Damit wird die Front der Großaktionäre, die Smart nicht mehr im Konzern haben wollen, immer breiter. Bereits gestern hatte die staatliche Kuwait Investment Authority (KIA) gefordert, die Sparte zu veräußern. "Ich glaube nicht, dass das Smart-Geschäft erfolgreich reformiert worden ist. Deshalb ist die einzige Lösung, Smart loszuwerden", sagte Geschäftsführer Bader Mohammad al-Saad Bloomberg. Über KIA hält der Golf-Staat Kuweit 7,2 Prozent an DaimlerChrysler und ist damit der größte Einzelaktionär.

Tatsächlich dürfte es DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche aber gar nicht so leicht fallen, den kriselnden Kleinwagenbauer loszuwerden, sollte er sich für diesen Schritt entscheiden. Experten zufolge habe Smart teure Komponenten-Verträge und einen Langzeitvertrag mit Mitsubishi Motors zur Fertigung des Viertürers, berichtet die "FT". Diese Belastungen wolle niemand übernehmen.

Zetsche hatte zuletzt ohnehin betont, die Sanierung aus eigener Kraft habe Vorrang vor der Partnersuche. DaimlerChrysler Chart zeigen versucht derzeit, mit einem 1,1 Milliarden Euro teuren Sanierungsprogramm die Marke zu retten. In den vergangenen Tagen waren dennoch Spekulationen um die Zukunft von Smart laut geworden. DaimlerChrysler hat laut Presseberichten die Investmentbank Goldman Sachs beauftragt, nach möglichen Partnern für Smart zu suchen. Branchenkreisen zufolge sollen auch die Chancen für einen möglichen Verkauf ausgelotet werden.

Der 1998 mit dem schweizerischen Uhrenhersteller Swatch gegründete Kleinwagenbauer macht seit dem Start Verluste. Zetsche hat der Sparte deswegen das Sanierungsprogramm verordnet. 2007 soll Smart mit nahezu halbierter Belegschaft und weniger Modellen schwarze Zahlen schreiben.



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