Frankfurter Lobbyist Banken-Darling Daniel Wruck unter Geldwäscheverdacht

Der obskure Lobbyist Daniel Wruck ist eng mit Frankfurts Finanzelite. Jetzt kommt heraus: Gegen ihn liegen haufenweise Geldwäsche-Verdachtsfälle vor – auch bei Banken, die mit ihm Deals gemacht haben.
Finanzzentrum Frankfurt: Deutsche Bank, Commerzbank, DWS – alle großen Geldhäuser der Stadt sind in den Fall Wruck verwickelt

Finanzzentrum Frankfurt: Deutsche Bank, Commerzbank, DWS – alle großen Geldhäuser der Stadt sind in den Fall Wruck verwickelt

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der obskure Unternehmer und Investor Daniel Wruck, der mit der halben Frankfurter Finanzelite Geschäfte macht, ist notorisch in Geldwäsche-Verdachtsfälle verwickelt. Nach SPIEGEL-Informationen liegen bei fünf Banken aus dem Großraum Frankfurt knapp 20 Geldwäsche-Verdachtsfälle aus den Jahren 2018 bis 2021 gegen Wruck vor. Im Einzelnen handelt es sich um die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Deutschlandtochter der Pariser Großbank BNP Paribas, die Taunussparkasse sowie die Degussa Bank ; Letztere gehört Christian Olearius und Max Warburg, den beiden Mehrheits-Eigentümern der Hamburger Privatbank M.M. Warburg, die tief in den Cum-Ex-Steuerskandal verstrickt ist. Wie zu hören ist, hat sich die Degussa Bank bereits kurz nach Abgabe der Verdachtsmeldung von ihrem Kunden getrennt.

Keine der Banken wollte zu den Informationen Stellung nehmen; aus Prinzip könne man nicht öffentlich über Kundenbeziehungen sprechen, heißt es unisono. Auch Wrucks Anwältin wollte sich nicht näher äußern.

Grund für den Umstand, dass die Institute Geldwäsche-Verdachtsfälle gegen Kontoinhaber Wruck abgegeben haben, ist nach SPIEGEL-Informationen, dass der »wirtschaftliche Hintergrund« ein- oder ausgezahlter Gelder unklar ist; auch stamme Geld teilweise aus ausländischen Offshore-Finanzplätzen, sogenannten Steueroasen. Haben Banken Hinweise darauf, dass sich »schmutziges Geld« auf ihren Konten bewegt oder Vermögenswerte im Zusammenhang etwa mit Terrorismusfinanzierung stehen, müssen sie das unverzüglich der Financial Intelligence Unit (FIU) des Zolls melden. Anschließend darf das zugrundeliegende Geschäft, sofern es noch offen ist, nicht durchgeführt werden, es sei denn, dadurch würde die Aufklärung einer Straftat behindert. Wie es in den genannten Fällen weiterging, ist unklar.

Brisant ist die Sache vor allem für die Commerzbank und die Deutsche Bank

Brisant ist die Sache vor allem für die Commerzbank und die Deutsche Bank. Führende Manager beider Institute haben geschäftlich wie persönlich mit Wruck zu tun, teilweise verschwimmen die Grenzen. So lieh sich ein früherer Deutsche-Bank-Vorstand im Zuge eines Immobilienkaufs als Überbrückungshilfe 3,5 Millionen Euro bei Wruck. Commerzbank-Vorstandschef Manfred Knof hatte sich 2020, bereits vor seinem Amtsantritt, dafür eingesetzt, dass sein neuer Arbeitgeber das bestehende Investment an dem Finanzdienstleister Arabesque erhöht und bei dem Start-up 360X einsteigt – bei beiden Unternehmen war Wruck sowohl an der Investorensuche als auch am Kapital beteiligt. Mit dem Arabesque-Vorstoß scheiterte Knof, der 360X-Deal gelang. Pikant: 2021 lebte Knof zeitweise in einer Wohnung im feinen Frankfurter Westend , die Wruck an ihn untervermietet hatte.

Asoka Wöhrmann wiederum, heute Chef der Deutsche-Bank-Tochter DWS, hatte Wruck 2017 privat damit beauftragt, einen Porsche Panamera für ihn zu kaufen und dem Geschäftsmann dafür 160.000 Euro überwiesen. Der Deal kam nicht zustande, Wruck überwies Wöhrmann das Geld zurück und ergänzte damit andere Geldwäscheverdachtsfälle der Deutschen Bank gegen Wruck.

In zeitlicher Nähe zu dem missglückten Porsche-Kauf  investierte die Deutsche Bank – maßgeblich auch auf Druck von Wöhrmann, damals noch nicht DWS-CEO, sondern Chef des Deutsche-Bank-Privatkundengeschäfts – Millionen in das Unternehmen Auto1 Fintech. Auch hier war Wruck auf Investorensuche sowie selbst an der Firma beteiligt, genauso wie sein Vertrauter Bensen Safa, ein zypriotischer Geschäftsmann. Beide Männer, Wruck und Safa, sind oder waren zudem Teilhaber von Banken im Geldwäscheparadies Nordzypern.