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Das Kapital flüchtet in die USA

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aus DER SPIEGEL 41/1983

Ein Wahlsieg der Sozialdemokraten, so streute die Union vor dem 6. März 1983, würde der Bundesrepublik eine massenhafte Kapitalflucht bescheren. Die Sozialdemokraten verloren die Wahl - und das Kapital lief dennoch weg. Bevorzugt als Zuflucht sind, neben der Schweiz, vor allem die USA. Große Industrie-Unternehmen sind nach vielen Reinfällen der letzten Jahre zwar zurückhaltend mit Firmenaufkäufen. Nach den Beobachtungen von Bankiers schaffen jedoch Mittelständler - Klein-Unternehmer, Ärzte, Handwerker - weiterhin ihr Geld nach Nordamerika. Das Fluchtmotiv, so die Bankiers, sei stets dasselbe: In den USA wollen die Vermögenden sich eine Finanzreserve schaffen, auf die sie zurückgreifen können, wenn sie sich angesichts drohender Kriegsgefahren in Europa in die Neue Welt abgesetzt haben. Mit rationalen Argumenten seien die Ängstlichen nicht zurückzuhalten. Schon gar nicht ließen sie sich mit dem Hinweis auf den seit Monaten überhöhten Dollarkurs und auf die Gefahr von Kursverlusten bremsen. Der Chef einer deutschen Großbank: »Die wollen ihr Geld in Sicherheit bringen, egal, was es kostet.« Es kostet, ganz nebenbei, eben jenen Mittelstand Milliarden an Investitionskapital, der stets über zu hohe Sozialabgaben und Löhne stöhnt.

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