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»Das stellt Herstatt in den Schatten«

aus DER SPIEGEL 32/1987

Die Devisenaffäre beim Volkswagen-Konzern droht auch den Finanzplatz Frankfurt in Verruf zu bringen. In der deutschen Bankenmetropole wächst die Sorge darüber, daß die Ermittlungen bei VW andere illegale Bankgeschäfte zutage fördern könnten. So sollen zahlreiche ausländische Geldhäuser, aber auch einige angesehene deutsche Institute über Jahre die gesetzlichen Obergrenzen für den Handel in fremden Währungen teilweise weit überschritten haben. Um die Aufsichtsbehörden zu täuschen, sollen die überschüssigen Beträge über Nacht bei VW geparkt worden sein. Am nächsten Tag seien sie dann gegen einen geringen Aufschlag von VW wieder zurückgekauft worden . Dem Berliner Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen und der Bundesbank in Frankfurt liegen zwar angeblich bis heute keine Beweise für solche Geschäfte vor. Das Aufsichtsamt verfolgt die Ermittlungen aber, so der zuständige Abteilungsleiter Helmut Mayer, »sehr aufmerksam«. Ein Devisenexperte der Bundesbank prüft derzeit sämtliche Devisengeschäfte des Autokonzerns bis ins Jahr 1979 zurück. In der Bundesbank, so ein leitender Geldverwalter, werde bereits darüber nachgedacht, wie die Devisengeschäfte der Banken in Zukunft besser kontrolliert werden könnten. »Was da bei VW alles hochkommt«, so der Zentralbanker, »stellt Herstatt in den Schatten.«

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