Datenklau-Debakel bei T-Mobile Telekom-Chef Obermann entschuldigt sich bei Kunden

Jeder zweite Kunde ist vom Datenklau-Debakel bei T-Mobile betroffen - mehr als 17 Millionen insgesamt. Sie alle bat Telekom-Chef René Obermann jetzt um Entschuldigung dafür, dass ihre hochsensiblen persönlichen Daten einfach aus den Beständen des Unternehmens kopiert wurden.


Hamburg - Nach dem beispiellosen Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten bei T-Mobile bittet der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, jetzt öffentlich um Verzeihung. "Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag". Er betonte: "Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall."

Telekom-Chef Obermann: "Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall."
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Telekom-Chef Obermann: "Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall."

Das kann man wohl sagen. Bereits am Samstag hatte die Telekom Recherchen des SPIEGEL bestätigt, wonach ihrer Mobilfunksparte T-Mobile vor gut zwei Jahren Daten zu jedem zweiten Kunden entwendet wurden. Insgesamt sind davon mehr als 17 Millionen Kunden betroffen.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, befinden sich darunter auch geheime Nummern und Privatadressen von Politikern, Wirtschaftsführern und Milliardären, für die eine Verbreitung ihrer Daten in kriminellen Kreisen sicherheitsbedrohend wäre. Auch Showgrößen wie der Komiker Hape Kerkeling, TV-Moderator Günther Jauch, Schauspieler Til Schweiger und Fernsehkoch Johann Lafer sind von dem Datenklau betroffen.

Das Bundesinnenministerium bestätigte, es seien deswegen bereits Gefährdungsanalysen ausgearbeitet worden. T-Mobile bietet seinen Kunden jetzt den kostenlosen Wechsel der Rufnummer an.

Die Telekom betonte derweil, dass die Datensätze keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten enthalten. Jedoch seien neben Name und Anschrift die Mobilnummer, teilweise das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse in den Sätzen zu finden.

Für Telekom-Chef Obermann ist der Fall der vorläufige Tiefpunkt einer langen Reihe von Skandalen und Affären. Im Mai dieses Jahres musste er einräumen, dass in der Bonner Telekom-Zentrale mehrere Jahre lang Kontakte von Journalisten und Arbeitnehmervertretern des Aufsichtsrates ausspioniert wurden.

Und erst kürzlich wurde bekannt, dass Kundendaten durch Telekom-Mitarbeiter bis Anfang des Jahres 2007 von jedem beliebigen Computer mit Internet-Anschluss abgerufen werden konnten. Voraussetzung: Man musste das Codewort kennen.

Obermann rechtfertigte sich in dem Interview mit der "Bild am Sonntag" auch, warum die Öffentlichkeit nicht direkt nach dem Vorfall im Jahr 2006 informiert wurde: "Die Behörden waren eingeschaltet, Datenträger konnten beschlagnahmt werden und es gab keinen Hinweis auf Missbrauch der Telefonnummern oder Schaden." Der Konzern habe Anzeige erstattet und Untersuchungen eingeleitet, nachdem ein Vertriebspartner berichtet habe, dass ihm Daten angeboten wurden. "Die Behörden haben umgehend agiert und bei Durchsuchungen Datenträger sichergestellt."

Mittlerweile seien die Sicherheitsstandards verbessert worden. "Wir haben direkt nach Bekanntwerden der Fälle agiert. Unter anderem haben wir die Zugriffsberechtigungen weiter eingeschränkt und die Voraussetzungen für das An- und Abmelden an Datenbanken verschärft."

Politiker nehmen das Datenklau-Debakel jetzt zum Anlass, auf die schnelle Einführung eines Qualitätssiegels für Datenschutz zu drängen. "Dieses Siegel sollten alle Unternehmen erhalten, die in diesem Bereich mehr tun, als der Gesetzgeber heute von ihnen verlangt", sagte der SPD-Rechtsexperte Dieter Wiefelspütz der "Welt am Sonntag".

Die Innenexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, sekundierte: "Nicht erst, wenn die Daten schon entwendet wurden, müssen sie sichergestellt, sondern schon von vornherein sicher gespeichert werden."

Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte, die Vorratsspeicherung von Telefondaten sofort zu stoppen. "Die Daten der Bürgerinnen und Bürger sind bei der Deutschen Telekom nicht sicher", sagte Beck. Wo Datenberge entstünden, drohe stets fahrlässiger oder krimineller Missbrauch.

Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert sprach sich dafür aus, die Einhaltung der Bestimmungen in den Unternehmen schärfer zu überwachen. Der Datenschutz sei "finanziell und personell viel zu schlecht ausgestattet".

tdo/dpa



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