Dax-Geflüster Stunde der Portfolio-Magier

Viele Anleger verleitet die Börsen-Baisse zu wildem Aktionismus. Die einen verkaufen, um Verluste zu begrenzen. Die anderen jagen vermeintlichen Schnäppchen nach. Und es gibt noch eine dritte Gruppe - die am Ende vermutlich am besten dasteht.

Optimismus ist an der Börse derzeit ein rares Gut. "Wir sind definitiv in der Baisse", klagt ein Fondsmanager für deutsche Standardwerte. Seit Januar läge der Dax mit mehr als 20 Prozent im Minus. "Die Verluste dürften wohl noch größer werden", fügt er hinzu.

Die Finanzkrise, das teure Öl, die Inflation, der schwache Dollar  , die schleichende Rezession in den USA - An Gründen für Pessimismus mangelt es nicht. Am Freitagmittag markierte der Dax   gar ein neues Jahrestief. Zwar gelingt es Fed-Chef Ben Bernanke und anderen immer wieder - wie Anfang dieser Woche-, Beruhigungsspritzen zu setzen. Diese wirken aber stets nur kurz.

In solch schwierigen Zeiten entfalten viele Anleger hektische Aktivität. Verluste begrenzen, Gewinnchancen wahrnehmen - irgendetwas scheint immer zu gehen. Vor allem für jene, die stets mit dem Trend - prozyklisch also - agieren, geht die Rechnung nur selten auf. Sie kaufen bei steigenden Kursen und verkaufen bei fallenden. Auf lange Sicht schmälern sie dadurch meist ihre Rendite, denn das Verhalten birgt die Gefahr, dem Markt dauernd hinterherzulaufen.

Wer dagegen in der Hausse der vergangenen Jahre rechtzeitig ausgestiegen ist, kann die freie Liquidität jetzt antizyklisch nutzen. Vermeintlich aussichtsreiche Titel finden sich auch im allgemeinen Untergangsszenario allemal.

Beispiel K+S  : Die Aktie des Düngemittelherstellers aus Kassel war im Frühjahr 2007 noch für weniger als 100 Euro zu bekommen. Inzwischen ist der Kurs weit über die 300-Euro-Marke hinausgeschossen. "K+S hat trotz der bisherigen Entwicklung weiterhin Potential", sagt Stephan Thomas von Frankfurt-Trust. "Das Unternehmen profitiert vom säkularen Trend eines zunehmenden Bedarfs an landwirtschaftlicher Produktion, der mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum und dem steigenden Lebensstandard in den Schwellenländern einhergeht."

Der Fondsmanager bildet eine einfache Kausalkette: Immer mehr Menschen essen immer mehr Fleisch, für dessen Produktion immer mehr Futter und mithin auch immer mehr Düngemittel benötigt werden. "Auf der anderen Seite ist die Produktion von Kali, dem wichtigsten Rohstoff für Dünger, limitiert", so Thomas.

Auch anderen Unternehmen kommt vieles von dem, was sich derzeit rund um den Globus an eigentlich Unerfreulichem tut, zupass. Die Norddeutsche Affinerie   etwa profitiert - abgesehen von Übernahmegerüchten - von den hohen Kupferpreisen, Solarfirmen wie Ersol   und Solarworld   können sich darüber freuen, dass Energie immer teurer wird.

Sollte jedoch die Weltwirtschaft insgesamt weiter schwächeln, wird das früher oder später wohl auch diese Firmen treffen. Und sobald es - was nicht auszuschließen ist - wieder zum großen Ausverkauf an den Börsen kommt, werden viele dieser Papiere mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls mitgerissen.

Spätestens dann werden sowohl Prozykliker als auch Antizykliker erkennen, wie wichtig eine Streuung der Anlagen über den Aktienmarkt hinaus ist. Und alle, die dies schon lange erkannt haben, können sich jetzt freuen.

"Die Allokation ist das A und O bei der Kapitalanlage", sagt Vermögensverwalter Hannes Peterreins. "Wer sein Geld auf verschiedene Asset-Klassen verteilt und dabei beachtet, dass sich die einzelnen Bestandteile möglichst negativ zueinander entwickeln - also nicht korrelieren -, der kann Abschwungphasen an den Börsen, wie wir sie derzeit sehen, wesentlich gelassener verfolgen."

Peterreins rät zu einem Portfolio, in dem Aktien nicht mehr als 70 Prozent ausmachen. Der Rest sollte auf festverzinsliche Papiere, Rohstoffe und andere alternative Investments verteilt werden. "Hedgefonds etwa zählen zu den Gewinnern der derzeitigen Börsenturbulenzen", sagt der Experte. "Einige Produkte haben seit Jahresanfang zweistellige Wertzuwächse erzielt."

Ebenfalls eine Alternative: Edelmetalle. "Gold   hat sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als Aktien", sagt Eberhard Weinberger, Vorstand der DJE Kapital AG. "Generell gelten Edelmetalle als der Inflationsschutz schlechthin."

Entscheidend ist dabei, von vornherein richtig aufgestellt zu sein. Denn dann besteht die Möglichkeit, im richtigen Moment umzuschichten. "In Kürze könnte der Zeitpunkt gekommen sein, den Anteil der Anleihen im Portfolio herunterzufahren und dafür die Aktienpositionen wieder aufzubauen", sagt Peterreins. "Das wäre ganz im Sinne eines antizyklischen Handelns, das ja in der Regel das Erfolg versprechendere ist."

Andererseits gilt auch in diesem Fall: Es ist nie zu spät. Denn wer erst durch die derzeitige Baisse angeregt wird, sein Portfolio zu optimieren, ist beim nächsten Abschwung gut vorbereitet. Das Platzen der Immobilienblase in den USA, das im vergangenen Jahr die Börsenturbulenzen ausgelöst hat, hätte in dem Fall also auch Gutes bewirkt.

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