Dax-Neugewichtung Von Aufsteiger-Aktien und Schrumpf-Titeln

Am Montag wird der Dax umgestellt, die Finanzbranche verfolgt die Neugewichtung genau und passt am Index orientierte Fonds an. Wer als Kleinanleger davon profitieren möchte, muss genau nachrechnen und obendrein Glück haben.

Von Arne Gottschalck


Hamburg - Unternehmen wie E.on Chart zeigen werden von der Umstellung profitieren. Nach vorläufigen Berechnungen soll das Indexgewicht des Energieunternehmens auf zehn Prozent steigen. MAN Chart zeigen dagegen wird voraussichtlich nur noch 1,26 Prozent des Gewichts des Börsenbarometers ausmachen.

Der Grund für den Wechsel: Die Aktien des einen Unternehmens haben nach den Kriterien der Deutschen Börse Chart zeigen an Bedeutung gewonnen – der Index soll ja ein getreues Abbild des Marktes sein. Bislang durfte ein Unternehmen nicht mehr als 15 Prozent des Dax in Anspruch nehmen, diesmal liegt die Höchstgrenze erstmals bei 10 Prozent.

Das Immobilienunternehmen Gagfah, gerade erst in den SDax Chart zeigen aufgenommen, wird nun in den MDax Chart zeigen befördert. Gelingt bald der Sprung in den Dax? Auf jeden Fall wäre das mit einem enormen Renommeegewinn verbunden. Kein Wunder also, wenn die Unternehmen in den Wochen vor der Indexumstellung bang auf die vorläufigen Ergebnisse warten.

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Werden Indizes umgestellt, bedeutet das Freud oder Leid für die Unternehmen, eine Menge Arbeit für die betroffene Börse – aber auch Profianleger werden aktiv. Oder besser: müssen aktiv werden. Fondsgesellschaften sind nur ein Beispiel.

Viele bieten inzwischen sogenannte passive Investments an, also Produkte, die einen bestimmten Index einfach abkupfern - replizieren, wie es die Branche vornehmer ausdrückt. Europaweit stecken schon um die 60 Milliarden Euro in solchen Exchange Traded Funds (ETF).

Profitieren vom Umbau

Dazu kommen jene Fonds, die einer Strategie namens Enhanced Index Approach folgen – die Volumina dieser Stilrichtung sind unbekannt. In ihrem Fall bilden die Fondsverwalter den Index recht genau ab und gewichten nur wenige Aktien stärker oder schwächer. Entsprechend schenken auch diese Manager den Indexumbauten Aufmerksamkeit.

Wenn sich solche Schwergewichte herumwälzen, um einzelne Aktien ins Portfolio zu heben und all das zur gleichen Zeit, bewegt das natürlich den Markt. Sollten auch Privatanleger also in der Hoffnung auf Kursgewinne die Aktien der Aufsteiger kaufen? Immerhin werden deren Namen zumeist schon vorher benannt. Ganz so einfach ist es aber nicht - die Meinungen der Fachleute gehen auseinander.

Bei Pioneer Investments zum Beispiel heißt es: "Größere Neuaufnahmen beziehungsweise Löschungen oder auch starke Veränderungen der Indexgewichte haben durch die Handelstätigkeiten der Indexfonds - sowie die Antizipation dieser Umsätze durch andere Marktteilnehmer - eine Auswirkung auf den Kurs des Unternehmens." Tatsächlich gibt es Fonds, die versuchen, sich diese Entwicklung zu Nutze zu machen. "Bei Produkten mit gewissen Freiheitsgraden können Indexänderungen durchaus vorgezogen werden oder auch erst nach dem Umstellungstermin realisiert werden - als Spekulation auf Performancegewinne."

Vorsichtiger heißt es von einem Sprecher der Deutschen Börse: "Durch die Indexneugewichtungen entsteht bei passiven Produkten Anpassungsbedarf. Und das kann unter Umständen dazu führen, dass die Handelsumsätze der betroffenen Aktien rund um den Verkettungstermin steigen." Wer allerdings bis Montag warten wollte, um E.on-Aktien zu kaufen, dürfte sich enttäuscht sehen. "Die entsprechenden Kursänderungen werden meistens bereits deutlich vor dem Umstellungstermin realisiert", warnt Pioneer.

Thomas Meyer zu Drewer von Lyxor Asset Management winkt grundsätzlich ab. "Es gibt etliche Anleger, die auf so eine Theorie setzen", so der Chef der ETF-Firma. "Aber das ist eben nur eine Theorie, die mal klappen kann und mal nicht. Es gibt keinen Beleg dafür, dass das immer funktioniert."



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