Dax tief im Minus Autoflaute stürzt BASF in die Krise

Erst die Finanzwelt, dann die Autoindustrie - jetzt die Chemiekonzerne: BASF muss seine Gewinnprognose überraschend erneut kürzen und Dutzende Anlagen zeitweise stilllegen. Die Aktie stürzt ab, der Dax fällt um rund fünf Prozent. Spätestens jetzt ist klar: Diese Krise trifft alle.


Frankfurt am Main/Hamburg/Ludwigshafen - Die Misere der Automobilbranche erreicht BASF. Der Chemiekonzern drosselt unter anderem wegen des "massiven Nachfragerückgangs" bei den Herstellern seine Produktion um 20 bis 25 Prozent - und streicht zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit seine Gewinnprognose zusammen. Ursache der Probleme ist vor allem die Autokrise: "Besonders Kunden aus der Automobilindustrie haben bereits erteilte Aufträge kurzfristig storniert", sagte Vorstandschef Jürgen Hambrecht.

BASF-Werk in Ludwigshafen: "Aufträge kurzfristig storniert"
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BASF-Werk in Ludwigshafen: "Aufträge kurzfristig storniert"

Der Ludwigshafener Chemiegigant ist direkt von den Absatzproblemen der Pkw-Industrie betroffen. In den vergangenen Wochen hatten unter anderem BMW Chart zeigen und Daimler Chart zeigen ihre Prognosen nach unten korrigiert und ihrerseits zeitweise Werksstilllegungen angekündigt. Dem US-Konzern General Motors Chart zeigen droht gar die Pleite; die deutsche Tochter Opel hat bei der Bundesregierung um Staatshilfen gebeten.

"Die Chemie ist Zulieferer für zahlreiche Industrien wie Automobil, Bau und Textilien. Wenn es dort schwierig wird, trifft es zwangsläufig auch die Chemie-Unternehmen", sagt Stephan Kippe, Analyst bei der Commerzbank. Experten schätzen, dass BASF allein zwischen zehn Prozent und 15 Prozent seines Umsatzes mit Autobauern macht. Unter anderem liefert das Unternehmen Kunststoffe für die Innenausstattung, Karosserieteile und Kabelisolierungen.

Hambrecht kündigte an, dass BASF im Gesamtjahr 2008 nicht den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Vorjahres erreichen wird. Dabei hatte der Konzern erst Ende Oktober das Ergebnisziel nach unten korrigiert. "Die BASF richtet sich auf harte Zeiten ein", sagte Hambrecht an diesem Mittwoch und wagte keine konkrete Prognose für 2009: "Die Entwicklung im nächsten Jahr ist schwer einschätzbar."

BASF-Aktie 14 Prozent im Minus

Entsprechend bestürzt reagierte die Börse auf die Warnungen. Die BASF-Aktie verlor bis zum Handelsschluss knapp 14 Prozent und riss den Dax Chart zeigen mit sich. Der Leitindex notierte am Abend bei 4354 Punkten - ein Minus von knapp fünf Prozent.

"Die Gewinnwarnung von BASF zeigt, wie groß die Probleme in der Chemiebranche inzwischen sind", sagt Analyst Kippe. "Das ist ein deutliches Signal für den globalen Abschwung in der gesamten Industrie." Chemiefirmen spiegeln in ihren Geschäften wie kein anderer Industriezweig Konjunkturschwankungen, da sie sämtliche Märkte mit ihren Produkten beliefern. Auch die US-Konzerne DuPont und Celanese Chart zeigen sowie das niederländische Chemieunternehmen DSM hatten wegen der deutlichen Konjunkturabkühlung ihren Geschäftsausblick für 2008 revidiert.

Für Robert Halver, Kapitalmarktexperte von der Baader Bank, gibt es angesichts der miserablen Aussichten "keine Insel der Glückseligkeit mehr". Die Rezession treffe nun auch die zyklischen Börsenlieblinge, die - obwohl sie strukturell erstklassig aufgestellt seien - dem sich deutlich rauer werdenden Fahrwasser kaum entgegenrudern könnten. "Wenn es also auch die Aushängeschilder massiv trifft, dann weiß der Letzte, dass wir es mit einer waschechten Rezession zu tun haben", sagte Halver.

BASF reagiert nun mit einem harschen Sparprogramm auf den Einbruch des Geschäfts. Weltweit werden 80 Anlagen für einige Wochen stillgelegt und in rund hundert Standorten die Produktion gedrosselt. 20.000 Mitarbeiter sind von diesen Maßnahmen betroffen, davon 5000 am Stammsitz in Ludwigshafen.

Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei nicht geplant, betonte der Konzern. Stattdessen will er die Folgen für die Beschäftigen zunächst mit flexiblen Arbeitszeitinstrumenten abfedern, zum Beispiel über den Abbau von Überstunden oder Urlaub. Wenn allerdings die Nachfrageschwäche länger anhalte und alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, könne an einzelnen Standorten auch Kurzarbeit nicht ausgeschlossen werden, teilte BASF mit.

suc/dpa/Reuters/dpa-AFX

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