Jahresvergütung Dax-Vorstände bekommen im Schnitt 8,3 Millionen Euro

Eine Unternehmensberatung errechnet, wie viel Geld Konzernvorstände in Deutschland beziehen. Ein Ranking gibt es diesmal aber nicht, »wegen neuer europäischer Transparenzregeln«.
Dax-Kurs (Symbolfoto)

Dax-Kurs (Symbolfoto)

Foto:

Daniel Roland / AFP

Die Vorstandsvorsitzenden der im Dax gelisteten Unternehmen haben im vergangenen Geschäftsjahr im Schnitt ein Gehalt von 8,3 Millionen Euro bezogen. Das hat die Unternehmensberatung HKP errechnet.

Wer aber ist Spitzenreiter, wer Schlusslicht? Diese beliebten Fragen hat HKP in diesem Jahr nicht beantwortet. Ein direkter Vergleich der Gehälter werde durch neue europäische Transparenzregeln erschwert. Zudem ist der Vergleich mit dem Durchschnittswert des Vorjahrs nicht möglich, weil der Index im September 2021 von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt wurde.

Das ist enttäuschend, HKP kritisiert die Transparenzregeln selbst. Demnach fehlten entsprechende Vorgaben, um unternehmensübergreifend Kennzahlen vergleichen zu können. Bei »deutlich gestiegener unternehmensindividueller Transparenz« habe zugleich die Vergleichbarkeit »sowohl national auch als international einen deutlichen Rückschritt erfahren«, moniert Michael Kramarsch, Partner bei HKP.

Für das Geschäftsjahr 2021 mussten Unternehmen aufgrund einer europäischen Richtlinie erstmals die Informationen zur Vergütung des Vorstands nicht im Geschäftsbericht, sondern spätestens im Rahmen der Einladung zur Hauptversammlung veröffentlichen. Die aktuellen Vergütungsberichte seien jedoch gekennzeichnet von »einer Vielzahl von Tabellen und Grafiken sowie Textinformationen«, erklärte HKP weiter.

200 Prozent mehr Tabellen

So stieg die Zahl von Tabellen im Schnitt um 200 Prozent, die Vergütungsberichte waren im letzten Geschäftsjahr im Schnitt doppelt so lang wie in den Vorjahren. Die Informationsflut und der Mangel an Standards, wie diese Informationen nun eigentlich gewonnen werden sollen, erschwere die Vergleichbarkeit von Vergütungsinformationen »dramatisch«.

Teil der gesetzlichen Neuregelung ist laut HKP auch, dass die Hauptversammlung jährlich über den Vergütungsbericht abstimmt. Einzelne Dax-Unternehmen bekamen dabei laut HKP offensichtlich Schwierigkeiten mit ihren Investoren: Bei Bayer stimmten nur 24 Prozent der Investoren für den Bericht, bei Continental waren es 68 Prozent und bei Beiersdorf 73 Prozent. Die maßgebliche Zustimmungsquote liegt bei 80 Prozent.

»Vergütung ist ein mächtiger Hebel in den Händen von Investoren«, sagte Kramarsch. Es sei daher »absehbar« gewesen, dass die Abstimmung über den Vergütungsbericht von Investoren »als Instrument zur Durchsetzung auch anderer Themen genutzt wird«.

Bei der Dax-Reform vom vergangenen Spätsommer kamen sehr unterschiedliche Unternehmen hinzu, etwa der Flugzeugbauer Airbus, der Modeversand Zalando, der Essenslieferdienst Hello Fresh oder das Biotech-Unternehmen Qiagen.

mamk/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.